Mondschein lässt bei Borstenwürmern die Zeit schneller verrinnen, berichten Kristin Tessmar-Raible und Florian Raible von den Max Perutz Labs in Wien. Das schwache Licht des Erdtrabanten justiert die innere Uhr der Meeresbewohner so, dass die Weibchen und Männchen in der dunkelsten Stunde der Nacht zu einem Paarungstanz im flachen Küstenwasser zusammenkommen und Nachwuchs zeugen. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift "PNAS" veröffentlicht.

"Die 24-Stunden Uhr wird bei den Würmern genau so wie bei Menschen und anderen Tieren nach dem Sonnenlicht gestellt", erklärte Kristin Tessmar-Raible im Gespräch mit der APA: "Wir haben aber herausgefunden, dass Mondlicht sie beeinflusst, und die innere Uhr von Organismen verstellen kann, so dass sie teils langsamer, oder wie bei den Würmern schneller läuft."

Getimte Fortpflanzung

"Der Mondaufgang erfolgt jeden Tag 50 Minuten später, das Mondlicht hat daher eine Rhythmik von knapp 25 Stunden", sagte Florian Raible. Im Vergleich zum 24-Stunden-Takt des Sonnenlichts gibt es also eine Zeitversetzung. Die Würmer nutzen sie, um ihre Fortpflanzung exakt zu timen. Dies ist bei den Küstengewässer-Bewohnern entscheidend, damit erfolgreich Jungtiere in die Welt gesetzt werden können: Die Weibchen setzen ihre Eier nämlich ungeschützt ins Wasser frei, so wie die Männchen ihre Spermien. Wenn dies nicht fast gleichzeitig am selben Ort erfolgt, gibt es keinen Nachwuchs.

"Die angeblich so konstante 24-Stunden-Uhr ist also eindeutig plastisch", erläuterte Florian Raible. Den Würmern erlaubt diese Plastizität, das Fortpflanzungsverhalten genau so zu koordinieren, dass es in der dunkelsten Phase der Nacht beginnt.

Wahrgenommen wird das Mondlicht bei den Würmern von zwei Lichtrezeptoren, so Erstautor Martin Zurl: "Opsin" und "Chryptochrom" dekodieren Sonnen- und Mondlicht, und stellen so die plastische innere Uhr passend ein.

Reaktionen auch bei Menschen

Auch andere Tiere wie die vielbeforschte Taufliege "Drosophila melanogaster" können Mondlicht erkennen, sagte Kristin Tessmar-Raible: "Sie halten dessen Einfluss aber möglichst gering, damit ihr Tagesrhythmus nicht durcheinanderkommt."

Ähnliches gilt wohl auch für Menschen. Sie haben nur einen der beiden Lichtrezeptoren, genauer gesagt, einen Verwandten des Opsin bei Würmern namens Melanopsin in den Zellen der Netzhaut (Retina) im Auge. Manchmal kommt aber dennoch die Mond-Periodik zum Vorschein. Bei vielen Patienten mit "Bipolarer Störung" folgen zum Beispiel die charakteristischen Stimmungsschwankungen einem unerklärten lunaren Rhythmus. Ihre Tagesuhr läuft dann mit einer Periodik von knapp 25 anstatt 24 Stunden. (apa/nt/sws)