Über 3,3 Milliarden Frauen, Männer und Kinder leben weltweit an Orten, die durch die Klimakrise stark bedroht sind. Sowohl die Menschen als auch die Natur leiden unter den Auswirkungen der immer weiter steigenden Temperaturen. Um auf die Dringlichkeit des Problems hinzuweisen, stellten das Rote Kreuz und die Umweltschutzorganisation WWF am Donnerstag in Wien ihre gemeinsame internationale Kooperation vor.

"Die Situation wird immer schlimmer, wenn wir nichts unternehmen", sagte der Generalsekretär des österreichischen Roten Kreuzes, Michael Opriesnig. Er fordert vor allem ein Umdenken von Hilfe als erster Reaktion nach Katastrophen hin in Richtung Prävention. Jeder investierte Euro für Naturschutz lindere nicht nur menschliches Leid, sondern federe auch Auswirkungen von Dürren, Überschwemmungen oder Erdrutschen ab. "Wir müssen die Natur als Puffer in der Klimakrise benutzen", so Opriesnig. Politik und Entscheidungsträger seien gefordert, entsprechende Maßnahmen zu finanzieren.

Naturkatastrophen entziehen immer mehr Menschen die Lebengrundlage. Im Bild: Ein Kind in einem IDP-Camp (Internally Displaced People) in Juba.  
- © APA/HELMUT FOHRINGER

Naturkatastrophen entziehen immer mehr Menschen die Lebengrundlage. Im Bild: Ein Kind in einem IDP-Camp (Internally Displaced People) in Juba. 

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Klimakrise entzieht Lebensgrundlage

Bis zum nächsten Jahr werden schätzungsweise 276 Millionen Menschen international auf humanitäre Unterstützung angewiesen sein. "So viele wie nie zuvor", sagte Opriesnig. Die Klimakrise entziehe immer mehr Menschen die Lebensgrundlagen. Allein im vergangenen Jahrzehnt starben mehr als 410.000 Personen weltweit laut Rot-Kreuz-Angaben durch plötzlich auftretende klimatische Veränderungen und wetterbedingte Katastrophen.

Besonders drastisch sei es für all jene, die bereits in prekären Verhältnissen, etwa in Entwicklungsländern, leben. "Ein Faktor spiel eine wesentliche Rolle: Die Teilung der Welt in reiche und arme Länder und die Unmöglichkeit, sich entsprechend auf die Klimaveränderungen vorzubereiten", so Opriesnig. Die Zusammenarbeit mit dem WWF sei als starkes Signal nach außen zu sehen und zunächst auf fünf Jahre ausgelegt.

Intakte Ökosysteme sind überlebenswichtig

"Klimaschutz geht nicht ohne Naturschutz", sagte Hanna Simons, Programmleiterin des WWF Österreich. Ein neuer und umsichtigerer Umgang mit Wäldern, Flüssen oder Auen hätte doppelt positive Effekte. Intakte Ökosysteme könnten CO2 - Hauptursache der menschengemachten Klimakrise - speichern. Zusätzlich dienen sie als "natürliche Klimaanlage" in einer immer heißeren Welt, filtern die Luft, stellen Trinkwasser und Nahrungsmittel zur Verfügung oder bieten Schutz vor Hochwasser, so Simons. "Aber intakte Ökosysteme werden immer weniger und sind stark unter Druck gekommen."

Nicht nur international, auch besonders auf Österreich bezogen, plädierte Simons stark für sogenannte grüne Infrastruktur als natürlichen Schutz vor Hochwasser: Dazu könnten vertrocknete Seitenarme wieder an Hauptflüsse angebunden, Wälder aufgeforstet oder Moore restauriert werden. "Gleichzeitig würden damit auch Erholungsorte für Menschen und Lebensräume für bedrohte Arten entstehen. Wir werden unsere Klimaziele auch nicht erreichen können, wenn wir Natur nicht wiederherstellen", so Simons. Der Bau von Betondämmen "verlagere das Problem nur und habe keinen Zusatz-Nutzen".

Naturbasierte Lösungen

Naturkatastrophen könnten mit den natürlichen Maßnahmen um 26 Prozent reduziert werden, zeigte ein gemeinsamer Bericht der beiden Organisationen zum Start der Kooperation. Effektiver Naturschutz könne demnach bereits im Jahr 2030 globale Schäden im Wert von 104 Milliarden Dollar (etwa 97,30 Milliarden Euro) verhindern. Bis 2050 könnte mit diesen Maßnahmen sogar 393 Milliarden Dollar (etwa 367,66 Milliarden Euro) eingespart werden.

Mit naturbasierten Lösungen könnten laut Rotem Kreuz und WWF zwischen 20 und 30 Prozent jener Maßnahmen getroffen werden, die notwendig sind, um die Emissionsziele im Rahmen des Pariser Klimaabkommens auf kosteffiziente Weise zu erreichen. Dies gelte aber nur, solange die Erderhitzung bei oder unter 1,5 Grad bleibe. "Wird dieses Limit überschritten, stößt die Natur an ihre Grenzen und kann ihre Funktion als natürlicher Puffer kaum noch erfüllen", so die Organisationen.(apa)