Während weltweit auf das große Sterben der Schmetterlinge aufmerksam gemacht wird, scheinen einige Arten dem Klimawandel und den widrigen Bedingungen vor allem durch die Verdrängung ihrer Lebensräume standzuhalten. In Nordamerika sind es die Monarchfalter, die sich als robust zeigen. In Europa gedeiht das Tagpfauenauge wie eh und je. Grund dafür scheint zu sein, dass diese Tiere nur recht geringe Ansprüche an ihren Lebensraum stellen.

Zwar warnen Wissenschafter seit Jahren davor, dass die Monarchfalter in Scharen aussterben, weil die Winterkolonien abnehmen. Neue Forschungsergebnisse zeigen allerdings, dass die Sommerpopulation der Monarchen in den letzten 25 Jahren relativ stabil geblieben ist. Eine im Fachblatt "Global Change Biology" publizierte Studie legt nahe, dass das Populationswachstum im Sommer die Verluste der Schmetterlinge aufgrund von Migration, Winterwetter und veränderte Umweltfaktoren ausgleicht.

Am weitesten verbreitet

"Es gibt die Vorstellung, dass die Monarchpopulationen in großen Schwierigkeiten stecken, aber wir haben herausgefunden, dass das überhaupt nicht stimmt", so Andy Davis von der Odum School of Ecology der University of Georgia. "Tatsächlich sind die Monarchen einer der am weitesten verbreiteten Schmetterlinge Nordamerikas."

Die Studienautoren warnen jedoch davor, selbstgefällig zu werden, denn die steigenden globalen Temperaturen könnten nicht nur für die Monarchen, sondern für alle Insekten neue und wachsende Bedrohungen mit sich bringen. So gibt es eben jetzt schon einige Schmetterlinge, die in Schwierigkeiten stecken. Doch den Monarchfaltern scheint es recht gut zu gehen.

Die Forscher trugen 135.000 Beobachtungen der North American Butterfly Association aus den Jahren 1993 bis 2018 zusammen, um die Populationsmuster und mögliche Ursachen für Populationsveränderungen zu untersuchen. Dabei stellte das Team eine jährliche Zunahme der relativen Häufigkeit der Tiere um insgesamt 1,36 Prozent pro Jahre fest, was darauf hindeutet, dass die Brutpopulation der Monarchen in Nordamerika im Durchschnitt nicht abnimmt. Und das, obwohl die überwinternden Populationen in Mexiko in den vergangenen Jahren nachweislich zurückgegangen sind. Die Sommerbrut der Schmetterlinge dürfte diese Verluste ausgleichen.

Doch der Marathonflug nach Mexiko oder Kalifornien im Herbst könnte künftig dennoch schwieriger werden. Denn sie sind auf ihrem Weg nach Süden mit Verkehr, schlechtem Wetter und mehr Hindernissen konfrontiert. Daher erreichen immer weniger Schmetterlinge die Ziellinie.

Im Norden sieht die Lage anders aus. Ein einziges Weibchen kann 500 Eier legen. Sie sind also in der Lage, sich enorm zu erholen, wenn sie die richtigen Ressourcen haben, so die Forscher.

Tagpfauenauge sehr robust

So denke auch jeder, dass der Lebensraum der Monarchen immer mehr verloren geht. "Das mag für einige Insektenarten stimmen, aber nicht für die Monarchen", so Davis. Denn ihr Lebensraum ist jener der Menschen. Sie sind sehr gut darin, die Landschaften zu nutzen, die der Mensch für sich selbst geschaffen hab. Hinterhofgärten, Weiden, Straßenränder, Gräben, alte Felder - all das ist Lebensraum für diese Schmetterlingsart.

Bei uns ist es im Vergleich dazu das Tagpfauenauge, das in seiner Populationsgröße stabil bleibt. Auch dieses stellt nur sehr geringe Ansprüche an seinen Lebensraum, heißt es auf der Homepage von Blühendes Österreich. Besiedelt wird ein breites Spektrum unterschiedlicher Offenstandorte wie Böschungen, Waldränder, Gärten, abwechslungsreiches Kulturland bis hin zu Siedlungen. Gemieden werden von ihnen nur dichte Wälder, da hier Futterpflanzen für die Raupen, nämlich Brennnesseln, fehlen.

Zudem profitiert der in ganz Europa sehr häufige Falter von der zunehmenden Nährstoffanreicherung in den Böden, weil dadurch das Wachstum und die Verbreitung der Brennnesseln gefördert werden. Außerdem nützt er eine sehr breite Palette an Blütenpflanzen und findet so in unterschiedlichsten Gegenenden sein Auslangen.

"Es gibt diese Vorstellung von einer Insektenapokalypse - alle Insekten werden verschwinden", sagt William Snyder vom College of Agricultural and Environmental Sciences der University of Georgia. Doch so einfach sei das nicht. "Einige Insekten werden wahrscheinlich geschädigt werden, doch andere werden profitieren."