Schimpansen trommeln auf die großen Brettwurzeln von Bäumen, um über weite Strecken zu kommunizieren. Forscher der Universitäten St. Andrews und Wien berichten nun im Fachjournal "Animal Behaviour", dass die einzelnen Tiere dabei ihren individuellen Stil haben, an dem sich erkennen lässt, wer gerade trommelt. Mit den Beats könnten sie den Kontakt zu ihrer Gruppe herstellen oder aufrecht erhalten, wenn sie sich von dieser entfernen.

Wilde Schimpansen trommeln oft auf die teilweise meterhohen Stützwurzeln von Regenwaldbäumen, wenn sie mit Imponiergehabe Artgenossen in der Nähe ihre Dominanz und Stärke signalisieren wollen, schütteln dabei auch Äste, werfen Gegenstände und schreien. Aber auch wenn sie alleine und weit weg unterwegs sind, trommeln sie mit Händen und Füßen auf den Brettwurzeln. So erzeugen sie niederfrequente Töne, die über einen Kilometer weit zu hören sind, schreiben die Wissenschafter um Vesta Eleuteri vom Department für Kognitionsbiologie der Universität Wien in ihrer Arbeit.

Die Forscher widmeten sich in ihrer Studie der rund 120 Mitglieder umfassenden Waibira-Schimpansengruppe im Budongo-Wald im Westen Ugandas. Von den 22 erwachsenen Männchen der Gruppe beobachteten sie das Verhalten von acht Tieren unterschiedlichen Alters und sozialen Rangs detaillierter. Sie untersuchten dabei die akustische Struktur ihres Trommelns, also etwa Dauer, Anzahl der Schläge, Zeit zwischen den Schlägen und das Timing der begleitenden Schreie.

Tristan, der "John Bonham des Waldes"

Die Wissenschafter konnten häufig erkennen, wer gerade trommelte. Einer der Schimpansen, "Tristan" genannt, ist für Vesta Eleuteri "der John Bonham des Waldes". Er trommle "so schnell, dass man seine Hände kaum sehen kann", ähnlich dem legendären Schlagzeuger der Rockband Led Zeppelin. Auch Ben, das Alpha-Männchen der Gruppe, habe einen besonderen Stil mit zwei dicht aufeinanderfolgenden Schlägen, mit Abstand gefolgt von einem oder zwei weiteren Schlägen.

Für Eleuteri ist das Trommeln eine Art "Schimpansen-Social-Media". Tatsächlich trommelten die Tiere häufiger, wenn sie alleine oder in kleinen Gruppen unterwegs sind. "Offensichtlich trommeln sie, um zu wissen, wo andere sind, und entscheiden, ob sie sich ihnen anschließen oder nicht." Auch die Forscher konnten damit die verschiedenen Schimpansen im Tropenwald finden, nach denen sie suchten. "Und wenn wir das können, sind wir uns sicher, dass die Tiere das auch können", erklärte Catherine Hobaiter von der School of Psychology der Universität St. Andrews (Großbritannien).

Es gibt aber auch Situationen, in denen die Tiere sich dafür entscheiden, nicht in ihrem individuellen Rhythmus zu trommeln - etwa wenn sie in der Gruppe anderen Individuen ihre Dominanz zeigen. "So vermeiden sie, dass andere, weiter entfernte Individuen erkennen können, dass sie es sind, die gerade trommeln - schließlich könnte das jemand sein, der dominanter ist und sie herausfordern könnte", sagte Eleuteri zur APA.

In ihrer nächsten Studie will die Forscherin untersuchen, ob benachbarte bzw. weiter entfernte Schimpansengemeinschaften in ihrem jeweils eigenen Stil trommeln, es also kulturelle Unterschiede gibt. (apa)