Höhlen sind Zeitkapseln, die das Weltgeschehen mit abbilden, da sie einstige oberirdische Vorgänge nachhaltig konservieren. Bei einer am Freitag beginnenden Konferenz an der Akademie der Wissenschaften wird diskutiert, wie sich die jüngere Erdbebengeschichte Österreichs untertags nachvollziehen lässt oder wie der Klimawandel dort greifbar wird.

Unter dem Titel "Highlights of Geoscientific Cave Research" (Highlights der geowissenschaftlichen Höhlenforschung) tagen Vertreter des Fachs. Derzeit sind in Österreich über 18.000 Höhlen verzeichnet, jährlich werden es um rund 350 mehr. Etwa 2.500 Kilometer wurden hierzulande bisher untertags vermessen.

Höhlenforscher verbringen teils um die zwei Wochen durchgehend in den Systemen. Dabei vollbringen sie Kletter-Höchstleistungen, wie Christoph Spötl vom Institut für Geologie der Universität Innsbruck erklärt. Während am Samstag vor allem die Entstehung von Karst-Höhlen im Mittelpunkt steht, beleuchten die Wissenschafter am Freitag die Themen "Höhlen als Archiv für Landschaftsveränderungen", "Trinkwasser", "Funktion und künstlerische Nutzung von Höhlen in der Urgeschichte" und "Klimawandel".

Erdbeben und Klimawandel

Mit neuen Ansätzen zur zeitlichen Einordnung von früheren Vorkommnissen, die in den Systemen teils winzige Spuren hinterlassen haben, nähern sich Wissenschafter auch der Erdbebengeschichte in den Alpen an. Während an der Oberfläche Spuren von bis zu 500.000 Jahre zurückliegenden Erschütterungen die Eiszeit-Gletscher weitestgehend beseitigt haben, gibt es in Höhlen winzige Bruchlinien, die auf frühere Verwerfungen hindeuten.

Für die Klimawandel-Forschung halten die Höhlen vor allem Informationen darüber bereit, wie rasch oder langsam ähnliche Veränderungen natürlichen Ursprungs früher abgelaufen sind.