Als "weiterhin äußerst besorgniserregend" bezeichnen die Autoren der neuen "Roten Liste der Farn- und Blütenpflanzen Österreichs" die Situation ebendieser Pflanzen. Gegenüber dem zuletzt im Jahr 1999 erstellten Bericht habe die Anzahl der gefährdeten Arten bundesweit um rund zwei Prozent zugenommen. Das klinge zwar wenig dramatisch, sei aber angesichts der kurzen verstrichenen Zeit "als dramatisch zu bewerten", sollte sich der Trend weiter fortsetzen, so die Forscher.

Insgesamt zählt man rund 3.500 Farn- und Blütenpflanzen, die sich beständig einen Platz in Österreichs Naturräumen gesichert haben. Davon gelten 368 als "Neophyten", also eingeschleppte Arten, die sich hierzulande nachhaltig etabliert haben. Dazu kommen noch ungefähr 1.000 weitere derartige Pflanzen, die aus anderen Regionen kommen und etwa durch den Warenverkehr vorübergehend hierzulande auftauchen, aber nicht heimisch wurden.

1.274 Pflanzen auf der "Roten Liste"

Obwohl hierzulande "zahlreiche positive Naturschutzaktivitäten" gesetzt wurden, habe sich der Artenschwund beschleunigt. Insgesamt finden sich nun 1.274 Farn- und Blütenpflanzen auf einer der zahlreichen Gefährdungsstufen der "Roten Liste". Immerhin 66 Arten, die schon einmal in Österreich heimisch waren, suchten die Wissenschafter für die heurige Auflage vergeblich. Ein direkter Vergleich dieser Zahl mit den Zahlen aus dem Bericht aus dem Jahr 1999 lasse sich nur schwerlich ziehen, da diesmal etwas über 400 Arten zusätzlich erfasst wurden.

Vergleiche man nur jene Arten, die in beiden Berichten in Gefährdungskategorien eingestuft waren, verzeichnete man vor 23 Jahren 36 und in der nunmehrigen Auflage 49 ausgestorbene oder verschollene Arten, erklärte die Leiterin des über sechs Jahre hinweg realisierten Projekts, Luise Ehrendorfer, vom Department für Botanik und Biodiversitätsforschung der Universität Wien, gegenüber der APA. Seit kurzem in Österreich nicht mehr anzutreffen ist zum Beispiel das Geradfrüchtige Hornköpfchen (Ceratocephala orthoceros).

Als "vom Aussterben bedroht" gelten laut neuem Bericht 235 weitere Arten. Im quasi bereinigten Vergleich zwischen dem Papier aus dem Jahr 1999 und heuer sind 14 zusätzliche Arten in diese Kategorie gerutscht, so Ehrendorfer. So etwa die neu gebildete Schotterflächen an nicht regulierten Flüssen besiedelnde Ufertamariske (Myricaria germanica) oder der zu den Primelgewächsen zählende Zarte Gauchheil (Lysimachia tenella), der vor allem Moore und Quellgebiete besiedelt, heißt es am Freitag in einer Aussendung der Uni Wien. Im neuen Update der "Roten Liste" sind weitere 973 Arten zu finden, die in geringerem oder unbekanntem Ausmaß gefährdet sind. Einen sinnvollen Referenzwert aus dem Jahr 1999 könne man hier aufgrund der veränderten Methodik nicht nennen.

Land- und forstwirtschaftlich genutzte Gebiete stärker betroffen

Insgesamt zeige der Bericht, dass vor allem von der Land- und Forstwirtschaft stark genutzte Gebiete des Landes vom Schwund stärker betroffen sind: Im Nördlichen Alpenvorland wurden 9 Prozent der Arten als ausgestorben oder verschollen und 28 Prozent der Arten als vom Aussterben bedroht eingestuft, im Südöstlichen Alpenvorland ist die Situation nur wenig günstiger. Im Alpengebiet ist diese Gefahr mit 3 (ausgestorben) bzw. 19 Prozent (bedroht) weniger hoch.

Allerdings handle es sich bei den österreichischen Alpen auch um einen wesentlich größeren Naturraum. Hier müsse man unterscheiden: So sei die Gefährdung in den subalpinen und alpinen Gebieten relativ gering, da die Pflanzen dort noch "meist bessere Möglichkeiten haben auf günstigere Standorte auszuweichen". In den intensiv genutzten Tallagen und auch höheren Regionen, die stark skitouristisch erschlossen sind, sei die Bedrohung hingegen hoch, betonte Ehrendorfer.

Über alle Gefährdungsstufen hinweg gesehen weise "aber das Pannonikum die meisten gefährdeten Arten auf". Es gibt dort aber immer noch Sonderstandorte, wie etwa die zuletzt stark unter Druck gekommenen Salzlacken, die einigen Arten den Status einer noch höheren Gefährdung ersparen. Für die Wiener Flora ist laut dem Bericht "die zunehmende Verstädterung ein Bedrohungsfaktor, der zunehmende Druck auf die Erholungsgebiete des Grüngürtels ist unübersehbar". Den geringsten Anteil gefährdeter Arten weist Osttirol auf. (apa)