Auf das Einfügen von Schaltsekunden soll nach Beschluss einer internationalen Konferenz künftig verzichtet werden. Zusätzliche oder abzuziehende Sekunden, um Uhren mit der astronomischen Zeit in Einklang zu bringen, sollen ab 2035 nicht mehr wie bisher berücksichtigt werden, so die Entscheidung bei der Internationalen Generalkonferenz für Maß und Gewicht (CGPM) im französischen Versailles.

Die CGPM schlägt vor, mindestens ein Jahrhundert lang keine Schaltsekunden zu berücksichtigen, so dass UTC und UT1 um etwa eine Minute aus dem Gleichlauf geraten. 
- © apa/ dpa/NASA Goddard Space Flight Center

Die CGPM schlägt vor, mindestens ein Jahrhundert lang keine Schaltsekunden zu berücksichtigen, so dass UTC und UT1 um etwa eine Minute aus dem Gleichlauf geraten.

- © apa/ dpa/NASA Goddard Space Flight Center

Die auf der Messung von Atomuhren basierende Koordinierte Weltzeit (UTC) und die durch die Erdrotation bestimmte astronomische Zeit (UT1, Universalzeit) dürfen damit künftig um mehr als eine Sekunde voneinander abweichen. Seit 1972 wurde bisher jedes Mal, wenn beide Zeitsysteme um mehr als 0,9 Sekunden voneinander abwichen, eine Schaltsekunde zur UTC hinzugefügt, zuletzt Ende 2016.

In manchen digitalen Systemen etwa für Finanzwelt und Satellitennavigation kann dies allerdings zu Problemen führen. Mehrere Technologieunternehmen fordern darum die Abschaffung von Schaltsekunden - andere hingegen befürworten die Beibehaltung, weil die Schaltsekunden fester Bestandteil ihrer Systeme sind.

Mindestens ein Jahrhundert ohne

Die CGPM schlägt vor, mindestens ein Jahrhundert lang keine Schaltsekunden zu berücksichtigen, so dass UTC und UT1 um etwa eine Minute aus dem Gleichlauf geraten. Darüber soll nun mit anderen Organisationen beraten werden, die Entscheidung für eine neue Obergrenze soll bis 2026 fallen, wie es beim Portal "Nature News" hieß.

Die Erde dreht sich zwar in 24 Stunden einmal um sich selbst, brauchte ganz genau betrachtet jedoch für jede Umdrehung ein winziges bisschen länger. Damit die Atomuhren, die weltweit die Zeit vorgeben, auch auf sehr lange Sicht parallel zum Tag-Nacht-Rhythmus der Erdrotation liefen, wurde diese kleine Ungenauigkeit hin und wieder ausgeglichen.

Minus-Schaltsekunde gab es bisher noch nie

Langfristig verlangsamt sich die Erdrotation aufgrund der Anziehungskraft des Mondes immer mehr - im Jahr 2020 allerdings hatte sie sich entgegen dieses Trends beschleunigt. Dies könnte abhängig von Einflüssen wie Erdbeben und Klima weiterhin passieren - ob eine dann nötige Kürzung der Weltzeit um eine Sekunde aber technisch gut machbar wäre, ist unklar. Eine Minus-Schaltsekunde gab es bisher noch nie.

Die CGPM, die auch für das Internationale Einheitensystem (SI) zuständig ist, beschloss bei der Generalkonferenz aufgrund der zunehmenden Datenmengen weltweit zudem vier neue Zahlenpräfixe: Ronna (10 hoch 27) und Quetta (10 hoch 30) sowie Ronto (10 hoch minus 27) und Quecto (10 hoch minus 30). (apa/dpa)