Die ersten vier Verhandlungstage der 15. UN-Biodiversitätskonferenz in Montreal, die am vergangenen Mittwoch begonnen hat, haben laut Greenpeace bisher nur langsame Fortschritte gebracht. Keine Entscheidungen seien in den wichtigen Punkten gefallen, stattdessen habe es eher Abschwächungen gegeben. Zu dieser Einschätzung passt, dass am Montag statt der geplanten Verhandlungspause weiter am Globalen Biodiversitätsabkommen (Global Biodiversity Framework, GBF) gearbeitet wird.

Das Ziel der Delegierten aus fast 200 Ländern ist der Abschluss einer globalen Vereinbarung, die bis 2030 mindestens 30 Prozent der Fläche an Land und im Meer unter Schutz stellt. Auch die Renaturierung zerstörter Ökosysteme, weniger Pestizideinsatz und weniger Plastikmüll sollen dazu gehören, wie auch die Rechte Indigener. Hier fordert Ursula Bittner, Artenschutz-Expertin bei Greenpeace in Österreich, dass deren Rechte im 30-30-30 Ziel des GBF Erwähnung finden, sie seien die "Hüter" ihres Landes und sollten dies auch bleiben. Ein "Free, prior and informed consent (FPIC)" muss müsse eine freie und vorherige informierte Zustimmung garantieren.

Aus Sicht von Greenpeace seien die Rechte der Indigenen ein Querschnittsthema, dennoch müsse es in manchen Zielen explizit erwähnt werden und die Anerkennung von indigenen Territorien als eine wichtige weitere Kategorie von Gebieten für die Ausweisung von Schutzgebieten gesichert werden. Die EU sei besonders gefragt, sich für ein starkes 30 Prozent-Schutzziel einzusetzen, dass die Rechte von Indigenen Völkern und lokalen Gemeinden fest verankert und zu einem besseren Schutz der schwachen Schutzgebiete führt.

China hat den Vorsitz der CBD COP15, die noch bis kommenden Montag, dem 19. Dezember angesetzt ist. Greenpeace sieht aus den bisherigen Verhandlungen zwar gute Ansätze für einen Kompromiss im Bereich der Finanzierung, negativ machen sich auf der anderen Seite bereits erste Verwässerungen in den Formulierungen der Ziele bemerkbar. Bei den Finanzen sei die Hauptfrage, ob ein globaler Biodiversitätsfonds zukünftig eingesetzt werden soll, oder ob bestehende Institutionen diese Aufgabe übernehmen sollen. Genannt wurde etwa eine reformierte Globale Umweltfazilität GEF (Global Environment Facility).

Das sind Fragen, die vielleicht erst ab Donnerstag geklärt werden können, wenn das dreitägige Treffen der Ministerinnen und Minister im sogenannten High Level-Segment startet. Für Österreich wird Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) wie zuvor bei der UN-Klimakonferenz in Ägypten in der zweiten Woche teilnehmen, wie bei der COP27 wird jedoch auch in Kanada die EU mit einer Stimme sprechen.

Wie Reuters am Montag berichtete, wächst parallel zu den Verhandlungen auch die Dynamik für eine Maßnahme, die Unternehmen dazu verpflichtet, ihre Umweltschäden offenzulegen. Führungskräfte aus der Industrie hätten sich den Aktivisten und Unterhändlern angeschlossen, Sektoren wie Bergbau, Landwirtschaft, Öl und Mode stünden bei den COP15-Gesprächen auf dem Prüfstand.

Von den Firmen würde verlangt werden, ihr umweltschädigendes Verhalten bis 2030 zu halbieren, was zusätzliche Kosten für die Unternehmen bedeuten könnte, sagte demnach Franck Gbaguidi, leitender Analyst für Energie, Klima und Ressourcen bei der Eurasia Group Risk Advisory. Es bestünde die Sorge, dass ein schwaches Abkommen in Montreal ohne eine globale Einigung für Unternehmen, für diese weitere Kosten bedeuten würde. Diese Kosten wären das Resultat unterschiedlicher nationaler Biodiversitätsvorschriften und -anforderungen, die zudem auch schwieriger einzuhalten wären, so die Eurasia Group in einer Stellungnahme.

Mehr als 330 Unternehmen hatten sich demnach bereits im Oktober in einem offenen Schreiben an die Regierungen der Welt im Oktober für eine COP15-Vereinbarung ausgesprochen, die eine verpflichtende Offenlegung der Umweltauswirkungen von Unternehmen bis 2030 vorsieht. Genannt wurden die schwedische H&M Group, IKEA, das britische Pharma- und Biotechnologieunternehmen GSK sowie Nestle aus der Schweiz. Das wäre jedoch für kleinere Unternehmen eine große Herausforderung, da deren Mittel für eine solche Überwachung und Buchführung begrenzt seien. (apa)