Weniger digitale Ausstellungsobjekte, deren technische Halbwertszeit relativ kurz sei, dafür mehr Originale aus der Sammlung, die in digitalisierter Form auch über das Handy abgerufen werden können: Diesen Weg will das Naturhistorische Museum Wien (NHM) künftig beschreiten. Weiters sollen Teile der Sammlungspräsentation modernisiert und mit einem "baulichen Masterplan das Museum in das 21. Jahrhundert geführt werden", gab NHM-Generaldirektorin Kathrin Vohland vor Journalisten am Freitag anlässlich der Halbzeitbilanz ihrer ersten Amtsperiode bekannt.

Insgesamt 826.490 Besucher konnte das Museum 2023 an seinen vier Standorten begrüßen. Die "Pandemiedelle" sei überwunden 97 Prozent des Besucherniveaus des Vorkrisen-Jahres 2019 seien erreicht. Auch angesichts der Rückkehr der Besucher benötige das 1865 eröffnete Museum am Wiener Ring, das Vohland als "Gesamtkunstwerk" bezeichnete, ein "Gesamtkonzept" zur Modernisierung. "Als das Haus gebaut wurde, was es nicht angelegt, 800.000 Besucher im Jahr zu begrüßen. Damit der Besuch angenehm bleibt, brauchen wir Platz für die Sammlungen und eine echte, tatsächliche Barrierefreiheit", sagte sie.

Derzeit werden Pläne für eine Umgestaltung des Eingangsbereichs, der dem Gebot der "Öffnung" folgend ebenerdig begehbar werden soll, gewälzt. Auch im Sinne der Symmetrie mit dem gegenüberliegenden, baugleichen Kunsthistorischen Museum gebe es gemeinsame Überlegungen. Platzbedarf für seine Sammlungen von Weltrang meldet das NHM schon länger an. Dieser sei auch 2023 vor allem durch Schenkungen gestiegen. Der bauliche Masterplan sieht eine Unterkellerung im zweiten Innenhof als Speicher vor.

Die Kosten für den Umbau des Eingasbereichs beziffert Geschäftsführer Markus Roboch mit 29 Millionen, jene für den Tiefspeicher mit 36 Millionen Euro. Derzeit "kämpfen wir um das Geld", sagte Roboch, der festhielt, dass das Museumsgebäude unweit des zuletzt fertig renovierten Parlaments zwar in etwa gleich alt wie das Abgeordnetenhaus sei, die Umbaupläne im NHM aber deutlich billiger seien.

Von der dynamischen Erde bis zum Goldschatz

Schauplatz der Präsentation am Freitag war der in Generalsanierung befindliche "Kaisersaal" des Museums, der am 21. Februar als Geologie-Saal unter dem Titel "Dynamische Erde" neu eröffnet werden soll. Die Ausstellung soll den Bogen von der Plattentektonik bis zum Anthropozän und von geologischen Lagerstätten bis zur Fragilität des Ökosystems spannen. "Geologie ist alles", brachte der Leiter der Geologischen Sammlung, Mathias Harzhauser, auf den Punkt.

Zu den Programm-Highlights dieses Jahres zählt auch die feierliche Übergabe des spätbronzezeitlichen Goldschatzes, der 2020 im niederösterreichischen Ebreichsdorf gefunden wurde, an das NHM. Im Zuge des zweigleisigen Ausbaus der Pottendorfer Linie von Wien-Meidling bis Wiener Neustadt waren umfangreiche archäologische Funde einer bronzezeitlichen Siedlung freigelegt worden. Als Highlight gilt ein vor rund 3.000 Jahren verborgener Goldschatz. Er ist ab 19. August dauerhaft im Museum zu sehen.

Saal 16 wird künftig als "Kinder-Eiszeitsaal" zu einem neuen, auf Familien abgestimmten Vermittlungsraum umgebaut. Außerdem soll die Zoologische Schausammlung modernisiert werden. Für die Botanische Sammlung, die zu den bedeutendsten der Welt gehört, sollen eigene Räumlichkeiten zugänglich gemacht werden. Ab 28. April gibt es außerdem einen "Geschichtspfad durch die Schausäle", der die Gründungsgeschichte darlegt und Veränderungen in der Sammlungsordnung aufzeigt, sagte der Leiter des Archivs für Wissenschaftsgeschichte, Martin Krenn.

Um in die kosmische Sphären des NHM zu gelangen, muss man künftig höher steigen als zum bisher im Hochparterre befindlichen Digitalen Planetarium. Dieses wird laut Vohland abgebaut, wobei die Entscheidung nicht leicht gefallen sei: "Digitale Infrastrukturen sind nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt kostspielig, denn sie verjähren schnell", erklärte die NHM-Chefin. Für den weiteren, zeitgemäßen Betrieb des teuren Indoor-Planetariums hätte man große Summen investieren müssen. Dem Weltall werde man sich in der Wissenschaftsvermittlung gewidmeten "Deck 50" im oberen Bereich des Hauses widmen.

Im neuen Jahr würden auch Bemühungen weitergehen, den Betrieb möglichst CO2-neutral zu gestalten. Dabei werden dem Denkmalschutz entsprechende Maßnahmen von der Abdichtung der historischen Kastenfenster bis zur Erdwärme-Heizung geprüft.