Wintervögel scheinen in Österreich immer rarer zu werden. Heuer wurden pro Garten im Schnitt nur rund 26 gefiederte Freunde gezählt. Das sind deutlich weniger als der Schnitt der vergangenen Jahre mit 30 Vögel, wie die Zahlen der am Montag von der Vogelschutzorganisation BirdLife präsentierten jüngsten Wintervogel-Zählung zeigen. Die Vogelkundler nennen auch die Ursache für dieses veränderte Verhalten der Tiere. Es dürfte der falsche Frühling zu Jahresbeginn mit Temperaturen von bis zu 20 Grad Celsius einiges zur Minimierung beigetragen haben.

Die "Stunde der Wintervögel" ist das größte Citizen-Science-Projekt Österreichs und ging heuer in sein 14. Jahr. 24.532 Teilnehmende haben ihre Zählergebnisse an BirdLife übermittelt. Insgesamt waren es 474.554 gesichtete Exemplare. Der Haussperling, oder auch Hausspatz, war dabei der am häufigsten im Siedlungsraum angetroffene Wintervogel. Er verwies den Vorjahressieger, die Kohlmeise und den Feldsperling, auch Feldspatz, auf die Plätze zwei und drei.

26 Vögel pro Garten

Die 26 Vögel pro Garten sind der niedrigste Wert, der jemals erreicht wurde. Dabei konnten Arten, die auch im Winter stark auf Siedlungen konzentriert sind, wie eben der Haussperling, aber auch die Türkentaube und der Stieglitz die Vorjahresergebnisse halten. "Bei Aaskrähen und Saatkrähen war eine leichte Zunahme im Vergleich zum Vorjahr bemerkbar, nachdem die Krähen in der Vergangenheit deutlich im winterlichen Bestand abgenommen hatten. Jeder zehnte Teilnehmende konnte sich über Schwanzmeisen an der Futterstelle freuen, was etwas über dem Vorjahreswert lag", betont Gábor Wichmann, Geschäftsführer von BirdLife Österreich. Das Auftreten der Stieglitze blieb ihm zufolge stabil. Die meisten anderen Arten waren weit weniger häufig als im Vorjahr anzutreffen, so die Zahlen.

Vor allem Selbstversorger

"Die Vögel waren witterungsgünstige Selbstversorger", so der Experte. Sie hielten sich am Zählwochenende, das von 6. bis 8. Jänner stattgefunden hat, eher außerhalb unserer Städte und Dörfer auf. Denn es war ausreichend natürliche Nahrung vorhanden, weil wichtige Nahrungsbäume wie Fichten und Buchen im vergangenen Herbst erneut besonders viele Früchte ausbildeten, die zu Jahresbeginn kaum von Eis oder Schnee bedeckt waren. Solche Mastjahre häufen sich aufgrund der Klimaerwärmung. Bei milder Witterung würden die Vögel vermehrt im Wald bleiben und weniger in die Siedlungen fliegen, betont Wichmann.

Auch ein geringerer Zuzug von Vögeln aus dem Norden und Nordosten Europas aufgrund milderer Winter, wie auch eine mögliche bessere Nahrungsverfügbarkeit ebendort, führen zu einem Rückgang unserer Wintervögel im Garten, heißt es in einer Aussendung von BirdLife. Wetter- sowie nahrungsbedingte Wanderbewegungen der Vögel innerhalb Österreichs und von den Bergen in die Täler beeinflussen die Zahlen der Vögel im Siedlungsraum ebenso. Auch die ungebremste Bodenversiegelung, der zunehmende Verlust alter Baumbestände und eine naturferne Gartengestaltung spielen den Experten zufolge vermutlich auch eine Rolle, warum kontinuierlich weniger Vögel im winterlichen Siedlungsraum gezählt werden.

Weiter live beobachten

Besonders auffällig für den Ornithologen waren die überaus warmen Temperaturen zu Jahresbeginn, wodurch die Vögel bereits heftig zu zwitschern und ihre Reviere zu besetzen begannen. Solch bisher untypisch warme Winter würden durch die Klimaerwärmung immer mehr zur Normalität. "Welche gravierenden Auswirkungen das letzten Endes auf den Vogelbestand hat, müssen wir zur Stunde der Wintervögel in den nächsten Jahrzehnten live beobachten", erklärt Gábor Wichmann.(apa/gral)