Stanford/Wien. Auch wenn die Oberfläche der Sonne ruhig wirkt, so kann es nur die Ruhe vor dem Sturm sein. Hinweise darauf, dass schwarze Sonnenflecken aus dem Sonneninneren aufsteigen, verbergen sich in Schallwellen, die die Sonne durchqueren. Wie "Bild der Wissenschaft" online meldet, ist es drei Forschern aus den USA jetzt erstmals gelungen, Signale aus großen Tiefen zu entschlüsseln. So konnten sie Sonnenflecken schon ein bis zwei Tage vor ihrem Erscheinen aufspüren.

Sonnenflecken sind riesige, dunkle Regionen auf der Sonnenoberfläche mit besonders starkem Magnetfeld. Nach derzeitiger Meinung entstehen die Magnetschläuche tief im Inneren der Sonne, am Boden der 200.000 Kilometer dicken Konvektionszone. Wenn sie an der Oberfläche ankommen, sind sie als schwarze Sonnenflecken sichtbar, von denen heftige Eruptionen ausgehen können. Dabei werden energiereiche Teilchen ins All geschleudert. Trifft eine solche Plasmawolke auf die Erde, gefährdet das Funkverkehr, Satelliten und Stromversorgung, dafür verschönern eventuell reizvolle Polarlichter den Himmel.

Wegen der unangenehmen Begleiterscheinungen sind Sonnenforscher schon lange bestrebt, das Weltraumwetter besser vorherzusagen. Doch die Quelle der Sonnenstürme, das unruhige Magnetfeld, ist bislang nur in Grundzügen verstanden. Denn bisher konnten die Forscher nur etwa 30.000 Kilometer tief in die Sonne schauen.

Stathis Ilonidis und seine Kollegen entdeckten nun in Daten des Sonnenobservatoriums Soho aus den Jahren 1996 und 1998 verdächtige Anomalien: Ein bis zwei Tage, bevor Sonnenflecken an der Oberfläche erschienen, liefen die Schallwellen deutlich langsamer durch das Sonneninnere als sonst. Die Forscher empfingen Signale aus bis zu 65.000 Kilometern Tiefe.