Wien. Auf einem Spaziergang durch den Wienerwald kann einem momentan tatsächlich ein Feuersalamander begegnen, während Blau- und Kohlmeise ihren verfrühten Frühlingsgefühlen schon mittels Balzgesängen Ausdruck verleihen. Da der Winter vor allem um Ostösterreich bisher einen Bogen gemacht hat, registrieren Forscher und Naturfreunde für die Jahreszeit unübliche Verhaltensweisen in der Tierwelt.

Hohe Wintertemperaturen und deren Auswirkungen auf das Verhalten wechselwarmer Tiere, deren Körpertemperatur nahezu mit der Außentemperatur übereinstimmt, sind laut dem Evolutionsbiologen Walter Hödl von der Uni Wien ein "wissenschaftlich fast unbeachtetes Phänomen, obwohl es eigentlich ein Thema wäre". Am Department für Evolutionsbiologie studiert momentan aber eine Arbeitsgruppe das Verhalten der Feuersalamander in der Umgebung Wiens mit Hilfe von Fotofallen.

Die Forscher konnten beobachten, dass die in dieser Jahreszeit üblicherweise inaktiven Tiere im vergangenen Dezember vermehrt "aktiv angetroffen wurden". Für die Salamander entstünde dadurch eher ein Nachteil, da sie im Winter einerseits keine Nahrung finden, aufgrund ihrer Aktivität andererseits aber wertvolle Energie verbrauchen, wie Hödl im Gespräch mit der APA erklärte.

Die Auswirkungen des bisher verhältnismäßig warmen Winters auf Vögel, die ganzjährig in Österreich ansässig sind, sind laut dem Ornithologen Gabor Wichmann von BirdLife Österreich noch nicht absehbar. In den vergangenen Wochen konnte man aber in den Wäldern neben den Balzgesängen von Blau- und Kohlmeise auch wieder das Klopfen der Spechte hören. Die Tiere würden aufgrund der hohen Temperaturen einige Verhaltensweisen zeigen, die für die Jahreszeit ungewöhnlich seien, so der Experte.

Gute Chancen für kleine Jungvögel
In milden Wintern haben es aber vor allem kleinere Vögel wie die Kohlmeise leichter, Nahrung zu finden. Das würde sich voraussichtlich positiv auf die Bestände im Frühjahr auswirken. Die Sterblichkeitsrate von 70 bei 80 Prozent bei Kleinvögeln im ersten Winter "könnte herabgesetzt sein, da selbst nicht so erfahrene Tiere den Winter leichter überleben", meint der Wissenschafter.

Vogelarten, die normalerweise in unseren Breiten und in nördlicheren Gebieten den Winter verbringen, kommen in diesem Jahr nicht so sehr durch die Wetterlage unter Druck wie in anderen Jahren. Aufgrund des bisher milden Winters finden sie heuer auch weiter im Norden ausreichend Futter und müssen daher nicht in südlichere Gefilde wie Österreich ausweichen.

Manche Greifvogelarten, aber beispielsweise auch die Stockente, bleiben momentan eher in ihren Brutgebieten im Norden Europas und sind daher in Österreich nicht so häufig anzutreffen wie in kalten Wintern. Ein typischer Überwinterer aus dem Norden ist die Kornweihe, auch sie wurde im bisherigen Verlauf des Winters nur sehr selten hierzulande gesichtet. "Wir hatten vor kurzem eine Zählung, die ergab, dass die Anzahl der Kornweihen weitaus geringer ist als sonst", so Wichmann.

Ähnlich würden sich heimische Vogelarten verhalten. Auch sie zieht es heuer nicht so stark in den Süden oder von den Bergen in die Tieflagen. Der aktuelle Wintereinbruch in Westösterreich und in den Gebirgsregionen könnte laut dem Experten das Verhalten der Tiere aber auch noch stark beeinflussen.

Vögel, die auf ihren Wanderungen lange Wege zurücklegen, wie etwa der Storch oder die Schwalbe, würden ihre Gewohnheiten aber nicht auf solche temporären Temperaturschwankungen abstimmen. "Die Langstreckenzieher haben ihre fixen Programme ", so Wichmann.