Wien. (est) Der Landgang der Wirbeltiere war bisher ein weißer Fleck auf der Landkarte der Paläontologie. Denn aus diesem entscheidenden Zeitraum von immerhin 15 Millionen Jahren gab es kaum Fossilien. Wissenschafter haben nun Überreste von Tieren gefunden, die die Lücke zwischen hauptsächlich im Wasser lebenden Tetrapoden und späteren, landlebigen Tetrapoden schließen lassen, berichten sie in den "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Im Erdzeitalter Devon, das vor 360 Millionen Jahren endete, existierten bereits zahlreiche vierbeinige Vorfahren der heutigen Reptilien und Vögel. Sie lebten vorwiegend im Wasser, ihre Arme und Beine ähnelten Paddeln und sie hatten mehr als fünf Finger. Vor 345 Millionen Jahren, zu Beginn des Karbon, existierten hingegen plötzlich echte Landbewohner unter den Wirbeltieren, mit fünf Zehen an den Extremitäten und kürzeren Köpfen. Das Leben in der dazwischen liegenden Zeit von 15 Millionen Jahren, die Romer-Lücke genannt wird, ist kaum mit Fossilien belegt.

Wie sich die ersten terrestrischen Wirbeltiere entwickelten, war daher unbekannt. Einige Forscher nahmen an, dass die Evolution eine Pause einlegte. Kurz vor Beginn des Karbon starben viele Arten aus - einer Theorie zufolge, weil der Sauerstoffgehalt der Atmosphäre absank.

Die Wissenschafter um Timothy Smithson von der Universität Cambridge und Jennifer Clack von der Universität Southampton berichten nun, dass die entsprechenden Fossilien einfach noch nicht gefunden gewesen waren. Sie suchten systematisch in Schichten aus dem frühen Karbon und entdeckten neue Vierfüßler-Fossilien an fünf Fundorten in Schottland und der kanadischen Insel Nova Scotia.

Zwei der Vierfüßler waren wohl einen bis zwei Meter lang. Die Fossilien geben Hinweise, wie die Anpassungen an ein Leben an Land vonstattengingen: Die weiter entwickelten Tiere wiesen eine größere Vielfalt sowie schmalere Köpfe auf als ihre Vorfahren. Und sie zeigen, so die Forscher, dass einige Tetrapoden-Linien früher entstanden als angenommen.