Weidevieh (hier an der Save in Kroatien) verbraucht viel weniger Wasser als Stallrinder. - © Dr. Roland Knauer
Weidevieh (hier an der Save in Kroatien) verbraucht viel weniger Wasser als Stallrinder. - © Dr. Roland Knauer

Wien. Wenn diese Woche 20.000 Teilnehmer, vom Staatspräsidenten bis zu Naturschutzvertretern, auf dem Weltwasserforum in Marseille über das in vielen Weltgegenden zur Mangelware werdende Wasser diskutieren, steht auch eine jüngst in der Fachzeitschrift "Pnas" publizierte Studie im Brennpunkt. Dort haben Arjen Hoekstra und Mesfin Mekonnen von der Universität Enschede (Niederlande) eine Wasserbilanz für den ganzen Globus vorgelegt.

"Solche ,Water Footprints oder Wasserfußabdrücke sind komplizierte Abschätzungen", erklärt Markus Berger, der an der Technischen Universität Berlin (TUB) auf diesem Gebiet forscht. Schließlich müssen dabei sehr unterschiedliche Prozesse berücksichtigt werden, von denen oft keine genauen Daten vorliegen: Wie viel Wasser wird in Ägypten oder Peru in die Baumwollfelder geleitet, welche Mengen schluckt die Produktion eines Autos in Südkorea oder Deutschland und wie viel läuft aus privaten Wasserhähnen in Großstädten wie Buenos Aires oder Peking? Und da jeder Tropfen dieses Verbrauchs irgendwann als Regen oder Schnee vom Himmel fiel, Wolken sich aber an keine politischen Grenzen halten, sollte eine solche Wasserbilanz am besten gleich die gesamte Erde ins Visier nehmen, verlangt die Naturschutzorganisation WWF auf dem Weltwassergipfel in Marseille.

Genau dazu präsentieren die Forscher in Enschede beeindruckende Listen und Grafiken. Für alle Länder mit mehr als fünf Millionen Einwohnern haben sie zum Beispiel errechnet, welchen Wasserverbrauch jeder Einwohner statistisch hat. Das Ergebnis verblüfft: Das wenigste Wasser beansprucht demnach mit etwas mehr als 500 Kubikmetern im Jahr ein Mensch in der Demokratischen Republik Kongo. Mit rund 1500 Kubikmetern und damit dem dreifachen Verbrauch eines Kongolesen liegen Deutsche, Schweizer und Österreicher im breiten Mittelfeld, während Nigerianer und Bolivianer mit knapp 3500 Kubikmetern ein einsames Spitzen-Duo bilden, gefolgt von den US-Amerikanern mit etwa 2800 Kubikmetern Wasserverbrauch pro Einwohner. Auf jeden Weltbewohner entfallen im Durchschnitt pro Jahr 1385 Kubikmeter Wasser.

"Virtuelle Wasserflüsse"


Wieso haben wirtschaftlich vergleichbare Länder wie der Kongo oder Bolivien so unterschiedliche Werte? Den wichtigsten Spieler entlarvt eine Statistik, in der die Niederländer den Wasserverbrauch in drei Sparten aufteilen: Im Durchschnitt fließen 3,8 Prozent des global verbrauchten Wassers durch Leitungen privater Haushalte, weitere 4,7 Prozent schluckt die Industrie. Knapp 92 Prozent aber landen in der Landwirtschaft. Ackerbau und Viehzucht beeinflussen demnach den Water Footprint eines Landes viel stärker als der Trinkwasser-Verbrauch seiner Bewohner oder die Ansprüche der Wirtschaft.