Die Astronomen nutzten indessen die unterschiedlichen Perspektiven weit auseinander liegender Orte zur Bestimmung der Entfernung der Erde zur Sonne. Sie maßen die Parallaxe - den Winkel zwischen zwei Geraden, die von verschiedenen Standorten auf denselben Punkt gerichtet sind - und setzten die Messergebnisse in Relation zur Erdrotation. Auf der Grundlage der Kepler’schen Gesetze gelang ihnen schließlich die Berechnung der Abstände aller anderen Planeten im Sonnensystem. Die Ergebnisse brachten erste Werte für die Astronomische Einheit von knapp 150.000 Millionen Kilometern - die Distanz von der Sonne zur Erde. Die Kenntnis der Größe des Sonnensystems erlaubte ihnen, auch den Abstand zu weiter entfernten Sternen zu berechnen.

Sonden messen im Flug

Heute messen Raumsonden die Größe von Planeten, Sternen und deren Umfeld im Vorbeiflug. "Früher war das ein Riesenproblem, da die Parallaxen entfernter Sterne so weit weg waren, dass ihr Winkel in etwa so groß war wie einige Millimeter auf der Wiener Rathausuhr, gesehen von der Urania-Sternwarte", erklärt Mucke. "Heute aber wissen wir, dass die fernste Galaxie 13,6 Milliarden Lichtjahre entfernt ist. Licht, das sich jenseits dieser Distanz befindet, erreicht uns nicht."

Geblieben ist die internationale Zusammenarbeit bei Pionierleistungen der Forschung. "Astronomie ist immer noch eine Wissenschaft, in der Forscher ihre Kapazitäten bündeln", betont Wulff. Das wohl bekannteste Projekt zur Erkundung des Universums ist der Large Hadron Collider am Europäischen Kernforschungszentrum Cern in Genf, der von 10.000 Experten aus mehr als 100 Ländern gebaut wurde.

Morgen im "extra": Die Venus-Expedition des österreichischen Astronomen Maximilian Hell