New York. Sie schürfen, pinseln und buddeln in der Hoffnung, etwas Interessantes zu finden. Fossilien-Sammler graben nach Versteinerungen, um vom Erlös zu leben. Abnehmer sind Museen, Forschungsinstitute oder andere Sammler. "Von vielen Fossilien erfährt die Wissenschaft nur, weil Private graben. Wir arbeiten gut mit ihnen zusammen", sagt Ursula Göhlich, Kuratorin für Wirbeltierpaläontologie im Naturhistorischen Museum in Wien. Überraschender noch: Fossilien sind alles andere als selten. Wer in Wien zehn Meter in die Tiefe graben würde, hätte gute Chancen auf einen eiszeitlichen Fund. "Da kann man schon auf einen Mammutzahn stoßen", so Göhlich: "Auf dem Markt bringt er 200 Euro."

Anders als Gold haben fossile Knochen zwar keinen Wert an sich. Dennoch ist der Handel mit den Versteinerungen ein Geschäftsmodell. Ihr Preis steigt mit dem Erhaltungszustand und abhängig davon, wie selten und wissenschaftlich interessant sie sind. In welch astronomische Höhen die Preise klettern können, zeigt die Tatsache, dass Fossilien immer häufiger von großen Auktionshäusern versteigert werden, und ein in den USA tobender Streit um einen Sensationsfund.

Wozu einen Zwerg, wenn man einen Tyrannosaurus rex in den Vorgarten stellen kann? Zwei 68 Millionen Jahre alte Dinosaurier, ineinander verhakt, als habe ein Kampf sie beide das Leben gekostet, werden heute in New York als "Montana Duelling Dinosaurs" versteigert. Ein Farmer hatte sie 2006 auf seinem Grundstück im US-Bundesstaat Montana gefunden. Es handelt sich um fast komplette Skelette, deren besonders guter Zustand Forscher vermuten lässt, dass die Dinosaurier kurz nach ihrem Tod mit Erde bedeckt wurden.

Spektakulärer Fund

Doch das ist nicht alles, was den Fund spektakulär macht. Er besteht aus einem fleischfressenden Nanotyrannus lancensis - verwandt mit Tyrannosaurus rex - und einem Pflanzenfresser, ein stattlicher Chasmosaurus. Dessen Knochen könnten dem Auktionshaus zufolge zu einer bisher unentdeckten Art gehören.

Forscher wollen nun anhand des Skeletts des Nanotyrannus’ feststellen, ob dieser tatsächlich eine eigene Gattung darstellt. Sie treten daher dafür ein, den Fund an eine Forschungseinrichtung zu spenden. Doch Bonhams will mit den "Duellierenden Dinosauriern" einen Rekord-Erlös von bis zu neun Millionen US-Dollar (sieben Millionen Euro) erzielen und betont außerdem, es sei des Farmers gutes Recht, die Kosten für die Grabungen wieder hereinzubekommen. Thomas Lindgren von der naturgeschichtlichen Abteilung des Auktionshauses nennt die Versteigerung das "Highlight seiner Karriere".

2011 brachten zwei Dino-Skelette dem Auktionshaus Heritage in Texas 2,7 Millionen Dollar ein. Das teuerste bisher versteigerte Fossil ist ein T-Rex, der 7,6 Millionen Dollar im Jahr 1997 erzielte.

Dinosaurier-Forscher befürchten, die kostbaren Fossilien könnten in private Hände fallen und somit nicht mehr für wissenschaftliche Untersuchungen zugänglich sein. Die Dino-Überreste waren zuvor zwar auch Museen zum Kauf angeboten worden, doch der hohe Preis verunmöglichte es den Kulturstätten, zuzuschlagen.

Wirbeltierpaläontologe Thomas Carr vom Carthage College in Wisconsin nennt die Auktion einen "Alptraum". Bei einem Privatbesitzer sei nicht sichergestellt, dass die Fossilien immer wieder untersucht werden könnten. Doch genau das sei nötig, um die Richtigkeit der Daten zu prüfen, so Carr. Zudem sei weder erwiesen, ob die Dinosaurier tatsächlich im Kampf gestorben sind, noch ob der Chasmosaurus einer unbekannten Art angehört. Damit seien zwei Verkaufsargumente von Bonhams nicht belegt. Dass wissenschaftliche Erkenntnisse dem freien Markt geopfert würden, sei schmerzhaft,

Ob Fossilien Gemeingut sind, regelt jedes Land unterschiedlich. "In Niederösterreich und in Bayern gehört der Fund dem Grundstückseigentümer. Andere Bundesländer stellen Fossilien unter Denkmalschutz", sagt Göhlich.