Wien. Geht es nach dem WWF, so war das Jahr 2013 für Löwen, Elefanten, Nashörner, Finnwale und Pinguine kein gutes Jahr. "Das größte Artensterben seit dem Verschwinden der Dinosaurier dauert an. Und der Mensch ist der Verursacher", so Beate Striebel, WWF-Naturschutzleiterin, anlässlich der Jahresbilanz.

Der Luchs ist zurück. - © Böhringer Friedrich - CC 2.5
Der Luchs ist zurück. - © Böhringer Friedrich - CC 2.5

Die Menschheit lebe über ihre Verhältnisse. Eine Folge davon sei der dramatische, immer weiter voranschreitende Verlust der Artenvielfalt. Lebensraumzerstörung, Überfischung und Klimawandel machen deutlich, dass die Menschheit ihr Naturkapital leichtfertig verspiele. Auch die Wilderei habe 2013 erneut zahlreichen Arten wie Elefanten und Nashörnern massiv zugesetzt.


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Doch es gibt auch positive Nachrichten: Dank neuer Schutzgebiete und konstanter Naturschutzmaßnahmen findet sich laut WWF der Amur-Leopard - zum zweiten Mal in Folge - auf der Gewinnerseite wieder. Auch bedrohte Hai-Arten sollen besser geschützt werden: Die Vertragsstaaten des Washingtoner Artenschutzabkommens haben heuer strengere internationale Handelssanktionen beschlossen. Und in Österreich dürfen sich die im Nationalpark Kalkalpen freigelassenen Luchse freuen.

Im Überblick

Die Verlierer

Elefanten und Nashörner: Seit Anfang 2013 wurden mindestens 22.000 Elefanten in Afrika Opfer skrupelloser Krimineller, die es auf ihre Stoßzähne abgesehen haben. Seit 2010 liegt die Wildereirate über der natürlichen Reproduktionsrate, sodass einzelne Populationen vom Aussterben bedroht sind. In Afrika leben noch ca. 430.000 Elefanten.
Auch Nashörner sind vom Mordsgeschäft der Wildtiermafia betroffen.
Allein in Südafrika wurden 2013 pro Tag etwa drei Tiere getötet. Die
Hörner gehen vor allem nach Vietnam, wo sie als Statussymbol für
Wohlhabende gelten, oder in geriebener Form als dubiose Heilmittel
eingesetzt werden. Derzeit leben in ganz Afrika nur noch 25.460
Nashörner.

Finnwale: Über 130 bedrohte Finnwale wurden heuer durch Island
erlegt. Und das, obwohl in dem Inselstaat kaum Nachfrage nach
Walfleisch besteht und der internationale Handel damit verboten ist.
Nach zwei Jahren Enthaltsamkeit bewertet der WWF diesen Bruch des Walfangmoratoriums als "einen Rückfall in dunkle Zeiten".

Pinguine: Die Ausweisung riesiger Meeresschutzgebiete in der
Antarktis ist 2013 auf einer internationalen Konferenz im
australischen Hobart erneut gescheitert. Der Druck durch Fischerei,
Schifffahrt und Klimawandel auf das Südpolarmeer wird damit weiter
zunehmen. Die Antarktis umfasst die am wenigsten berührten Meere der Erde und ist Heimat von fünf verschiedenen Pinguinarten. Darunter die größten aller Frackträger: die Kaiserpinguine.

Löwen: Auch der Afrikanische Löwe gilt laut Roter Liste als
"gefährdet" - und der Trend zeigt weiter nach unten. Die Population
wird auf etwa 23.000 Tiere geschätzt, was einer Abnahme um die 30
Prozent in 20 Jahren gleichkäme. Auch besiedelt der "König der Tiere" nur noch knapp ein Viertel seines ursprünglichen Verbreitungsgebiets. Vor allem Tötungen durch den Menschen in Folge von Konflikten bei der Viehzucht stellen ein gravierendes Problem dar.

Die Gewinner

Bengalischer Tiger: Die umfassenden Programme in den 15
Schutzgebieten im Teraigebiet von Nepal und Indien zeigen Wirkung.
In den Nationalparks in Südnepal hat die Zahl der wild lebenden Tiger
in den letzten vier Jahren um fast zwei Drittel auf 198 Tiere
zugenommen.

Amur-Leopard: Die Bestandszahlen des Amur-Leoparden in Russland haben laut einer Zählung deutlich zugenommen. Derzeit sollen rund 50 Tiere durch die Wälder nahe Wladiwostoks streifen. In China zeigen
Aufnahmen aus einer Kamerafalle eine Leopardin mit zwei Jungtieren.
Das spräche dafür, dass sich die Art auch wieder in der Volksrepublik
ausbreitet. Amur-Leoparden zählen zu den gefährdetsten Säugetieren
der Welt. Beim Zensus 2008 waren nur rund 30 Tiere identifiziert
worden. Bereits 2012 zählte die Art zu den Gewinnern. Damals war im Südwesten Russlands an der Grenze zu China und Nordkorea ein neuer Nationalpark eingerichtet worden.

Wisent: Der Europäische Wisent ist durch eine Aussetzung im
Rothaargebirge erstmals seit mehreren Jahrhunderten wieder in
Deutschland heimisch. Zurzeit prüft der WWF gemeinsam mit der
Weltnaturschutzunion IUCN und der Berliner Humboldt-Universität,
wo und in welchem Umfang weitere Wisente wieder dauerhaft und
langfristig angesiedelt werden könnten. Die seltenen Wildrinder
benötigen große, relativ unzerschnittene Waldgebiete.

Haie: Auf der Internationalen Artenschutzkonferenz CITES wurde im
März der Schutz von fünf bedrohten Hai-Arten beschlossen. Heringshai, Weißspitzen-Hochseehai und drei Hammerhaiarten dürfen nur noch nachhaltig gehandelt werden. Viele Haie sind sehr anfällig für Überfischung, da sie hohe Fangzahlen nicht durch eine schnellere Reproduktionsrate ausgleichen können.