Wien. (gral) Neben den Honigbienen gehören Hummeln zu den wichtigsten Bestäuberinsekten. Doch wenn sie ihre Fühler in die Blütenkelche strecken, droht ihnen immer häufiger Gefahr. Zudem sind es gerade ihre Artgenossen, die neben den schädlichen Auswirkungen von Pestiziden für Unheil sorgen.

Wie ein deutsch-britisches Wissenschafterteam jetzt herausgefunden hat, sind es nämlich die Honigbienen, die ihre wilden Verwandten mit dem sogenannten Flügeldeformationsvirus (Deformes wing virus - DWV) und dem parasitären Pilz Nosema ceranae anstecken. Denn saugt eine Hummel Nektar aus einem Blütenkelch, der davor von einer infizierten Biene aufgesucht wurde, kann es zur bedrohlichen Ansteckung kommen. Getestet haben dies die Forscher im Labor.

Übertragung belegt

Sie setzten Hummeln den beiden Erregern aus. In Folge sank die Lebenserwartung der Hummeln um ein Viertel bis ein Drittel. Für gewöhnlich erfreuen sich Hummeln rund 21 Tage lang eines gesunden Lebens. "Das bedeutet, dass diese Krankheitserreger tatsächlich ansteckend sind", erklärt Studienautor Matthias Fürst von der Royal Halloway University in London.

Überdies sammelten die Forscher, wie sie im Fachmagazin "Nature" berichten, an insgesamt 26 Orten in Großbritannien sowohl Honigbienen als auch Hummeln ein, um sie auf das Virus und den Pilz zu untersuchen. Nicht nur, dass sie eine weitere Verbreitung der Krankheitserreger fanden, so konnten sie auch aufgrund der genetischen Stämme Rückschlüsse auf eine entsprechende Übertragung ziehen.

Das Flügeldeformationsvirus ist ein fieser Erreger. Für erwachsene Honigbienen bedeutet es kaum eine Gefahr, allerdings eine umso größere für die Larven. Werden diese mit dem Virus infiziert, treten im Wachstum massive Deformationen zutage. Die Tiere bekommen aufgeblähte Körper und verkrüppelte Flügel und sterben. Verursacher ist die sogenannte Varroamilbe. Dieser Parasit ist der bedeutendste Bienenschädling weltweit. Er überträgt nicht nur das Virus, sondern schwächt die Bienen massiv.

Hummeln anfälliger

Hummeln zeigen sich noch anfälliger gegenüber DWV. Nahmen diese von den Forschern infiziertes Futter auf, so traten auch bei ausgewachsenen Tieren Krankheitssymptome auf. Im Schnitt starben die fleißigen Bestäuber sechs Tage früher als normal. Eine Infektion bedeutet für ein Hummelnest einen massiven Eingriff in die Population.

"Stirbt in einem riesigen Bienenstock mit 60.000 Tieren eine Biene, hat das nicht die gleichen Auswirkungen, wie wenn eine Hummel in einer Population von 100 Tieren stirbt", erklärt Mark Brown. Daher gelte es, nicht nur die Nutztiere, sondern auch die wilden Bestäuber zu schützen, fordert das Wissenschafterteam. Immerhin schätzen US-Experten die Leistung von Wildbienen und Hummeln auf einen materiellen Wert von rund drei Milliarden Dollar.

Auch der weltweite Handel mit Bienenvölkern stellt eine große Ansteckungsgefahr für die summenden und brummenden Erdenbewohner dar. Daher wäre es auch sinnvoll, "die Importe von Bienenkolonien und die Hygiene strenger zu kontrollieren", fordert Matthias Fürst.