Wien. (apa/ski) Jedes der Millionen Katzenfotos auf Facebook entstand, indem eine Kamera die von einer Katze reflektierten Lichtteilchen (Photonen) registrierte. Wiener Physiker haben nun in einem revolutionären Verfahren ein Katzenbild mit Photonen erzeugt, die nie in der Nähe des abzubildenden Objekts waren, berichten sie im Fachjournal "Nature".

Es soll natürlich Schrödingers Katze sein, die die Forscher "fotografiert" haben, denn ihr Verfahren funktioniert in der Quantenwelt mit ihren eigenen Gesetzen und Phänomenen. Dabei geht es um ein Gedankenexperiment des österreichischen Physikers Erwin Schrödinger (1887-1961), um den besonderen Quantenzustand der Überlagerung mit Hilfe eines makroskopischen Objekts - einer Katze - zu beschreiben.

Die Überlagerung ist mit dem Erfahrungshorizont des Alltags ebenso schwer nachvollziehbar wie ein weiteres grundlegendes Phänomen der Quantenphysik, das im Zentrum der neuen Arbeit der Wiener Physiker rund um Gabriela Barreto Lemos, Sven Ramelow und Anton Zeilinger von der Universität Wien und dem Vienna Center for Quantum Science and Technology (VCQ) steht: die "Verschränkung" von zwei oder mehreren Objekten. In der Quantenwelt bleiben verschränkte Teilchen auch über weite Distanzen hinweg stark miteinander verbunden. Was man mit einem Teilchen tut, beeinflusst sofort auch den Zustand des anderen. Albert Einstein nannte das "spukhafte Fernwirkung".

In ihrem Experiment beleuchten die Forscher ein Objekt mit infraroten Photonen, doch das Bild wird mit roten Photonen erzeugt, die nie in der Nähe des Objekts waren. Das funktioniert deshalb, weil die infraroten und die roten Photonen paarweise verschränkt - und so wie von Zauberhand miteinander verbunden - sind.