Köln/Wien/Graz. Der Komet Tschuri enthält viele organische Stoffe - darunter auch vier, die noch nie auf einem solchen Himmelskörper gefunden wurden. Organisches Material ist für die Forschung wichtig, geht doch eine Theorie davon aus, dass Material von Kometen zur Entstehung des Lebens auf der Erde beitrug. Im Fachblatt "Science" veröffentlichte Messungen deuten zudem auf Veränderungen am Kometen hin.

Insgesamt präsentieren dutzende Forscher in sieben Artikeln die ersten gewonnenen Erkenntnisse zum Kometen "67P/Tschurjumow-Gerassimenko". Ein Team um Fred Goesmann vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen berichtet über die vier neuen Substanzen - Methyl-Isocyanat, Aceton, Propionaldehyd und Acetamid. Alle enthalten Kohlenstoff und Wasserstoff, drei auch Stickstoff.

Die europäische Sonde Rosetta hatte das Mini-Labor Philae am 12. November 2014 nach zehnjähriger Reise auf dem Kometen abgesetzt. Statt weich aufzusetzen, prallte es mehrmals von der Oberfläche ab. Bei seinem ersten Auftreffen auf dem "Kopf" des entenförmigen Kometen in der Region Agilkia traf die Sonde auf eine weiche, körnige Oberfläche von mindestens 20 Zentimetern Dicke, wie ein Team um Jens Biele vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln berichtet. Die meisten Partikel dort hätten einen Durchmesser von höchstens einem Zentimeter.

Darauf können die Forscher aus Daten über die weitere Flugbahn und Dämpfungseigenschaften der Beine des Landers schließen, wie Norbert Kömle vom Institut für Weltraumforschung in Graz erklärte. Da Philae sich nicht festhaken konnte, gelangte das Labor mit langsamen Hüpfern auf seinen letzten Landeort namens Abydos.

Diese im Vergleich zum geplanten Landungsort viel schattigere Stelle erschwerte die Energieversorgung - der Strom ging aus. Nachdem der Komet sich in den letzten Wochen immer stärker der Sonne angenähert hatte, erwachte Philae am 13. Juni wieder und kommunizierte. In den folgenden Tagen "meldete" sich der Lander insgesamt sechs Mal wieder. Seit 9. Juli erreichen Projektleiter Stephan Ulamec und sein Team aber keine Daten mehr.

Bei elektromagnetischen Messungen ergab sich etwa, dass die Zusammensetzung des oberen Teils des Kometen relativ homogen sein dürfte. Aufgrund des Zeit- und Energiemangels konnte nicht geklärt werden, ob die eigentümliche Form des vermutlich vor etwa 4,5 Milliarden Jahren entstandenen Himmelskörpers eine Folge von Erosion ist, oder ob er aus ursprünglich getrennten Objekten besteht.

Überraschend ist auch die Erkenntnis, dass Philae auf einer harten Oberfläche zum Liegen kam. Diese Beschaffenheit dürfte auch die geplante Durchführung des MUPUS-Experiment, um ins Kometeninnere zu kommen, verhindert haben, erklärte Kömle. Temperatursensoren zeigten, dass die Tagestemperaturen auf Tschuri zwischen minus 183 und 143 Grad Celsius liegen. Laut dem Planetologen Karsten Seiferlin von der Uni Bern, könnte die harte Oberfläche erst vor Kurzem, etwa durch starke Strahlung in Sonnennähe, entstanden sein. Das widerspreche aber der Annahme, dass sich der Komet seit seiner Entstehung kaum verändert hat und somit einen Blick in die Gegebenheiten vor Milliarden Jahren ermöglicht. "Der erhoffte Zeuge der Entstehung des Sonnensystems leidet gewissermaßen an Amnesie", so Seiferlin.