Streit um Windräder


Es ist nach wie vor umstritten, ob der von Windenergieanlagen abgestrahlte Infraschall sich schädlich auf den menschlichen Organismus oder die menschliche Psyche auswirken könnte. Immer wieder klagen Leute, die in unmittelbarer Nähe von Windrädern wohnen, über Schlaflosigkeit, Übelkeit, Schlappheit, Atemnot, Herzrasen, Schwindelgefühle, Gleichgewichtsstörungen, Tinnitus und etliche andere Beschwerden. Es gibt auch Mediziner, die der Auffassung sind, dass der von Windrädern verursachte tieffrequente Lärm zu einem gefährlichen Anstieg des Blutdrucks, zu Veränderungen der Hirnströme, zur Vergrößerung der roten Blutkörperchen oder zu Nystagmus (unkontrollierte thymische Bewegungen der Organe) führen könnte.

Doch solchen Klagen und Befürchtungen wird immer wieder entgegengehalten, dass der von Windenergieanlagen erzeugte Infraschall viel zu schwach sei, um größere Schäden anrichten zu können. Tatsächlich haben die neuesten Messungen der Bayerischen Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz ergeben, dass herkömmliche Windenergieanlagen in ihrem Nahbereich bloß zwischen 55 bis und 80 Dezibel (G) laute Infraschallgeräusche erzeugen. Sind die Anlagen abgeschaltet, entstehen allein durch Windströme Schalldruckpegel zwischen 50 bis 75 Dezibel (G).

Dieser Schalldruckpegel entspricht ziemlich genau dem vom Straßenverkehr verursachten. Die bisher durchgeführten einschlägigen Experimente und Untersuchungen weisen jedoch darauf hin, dass bis zu 150 Dezibel lauter Infraschall harmlos ist, wenn man ihm nur kurzzeitig ausgesetzt ist - und dass bei ununterbrochener Beschallung erst Werte von deutlich über 100 Dezibel als gefährlich einzustufen sind.

Schalldruck und Vibration


Allerdings kann für Menschen unhörbarer Infraschall durchaus gespürt werden, wenn der Schalldruck hoch genug ist und der Körper stark in Vibration versetzt wird. So muss der Schalldruck bei einer Frequenz von 3 Hertz bei mindestens 120 Dezibel liegen.

Im Jahre 2003 hat der britische Psychologe Richard Wiseman ein ungewöhnliches Experiment durchgeführt. In einem Londoner Konzertsaal spielte er 700 Versuchspersonen Musikstücke vor, von denen die Hälfte mit einem 90 Dezibel lauten Sinuston von 17 Hertz unterlegt war. Bei der anschließenden Befragung der Probanden kam zutage, dass der 17-Hertz-Ton bei etlichen von ihnen Beklemmung, Unruhe, Ängste und depressive Gefühle ausgelöst hatte. Christian Koch und seine Mitarbeiter wollen nun detailliert erforschen, welche physischen und psychischen Auswirkungen sowohl die als unhörbar geltenden extrem tiefen als auch die extrem hohen Frequenzen haben. "Im Grunde stehen wir erst am Anfang. Weitere Forschung ist dringend notwendig", erklärt Koch.