San Diego. (dpa/est) Pandas suchen sich ihre Partner am liebsten selbst: Mit einem Wunschpartner zeugen die - als sexfaul geltenden - Tiere mehr Nachwuchs, berichten Forscher im Fachmagazin "Nature Communications". Der Erfolg von Zuchtprogrammen ließe sich womöglich erheblich verbessern, wenn außer der genetischen Eignung auch die persönlichen Vorlieben der Panda-Bären berücksichtigt würden.

In der freien Wildbahn gilt der Große Panda mit dem wissenschaftlichen Namen Ailuropoda melanoleuca als stark gefährdet. Obwohl bei den letzten Zählungen ein leichter Anstieg der Bestände verzeichnet wurde, muss das Überleben der symbolträchtigen Tiere gesichert werden. Experten setzen daher auf Nachzucht in Gefangenschaft und die spätere Auswilderung des Nachwuchses. Dabei lassen sie nichts unversucht - von künstlicher Befruchtung über Viagra bis hin zu Panda-Pornos -, um die Tiere zur Paarung zu animieren. Dennoch bleibt eine Pandageburt ein Lottogewinn für Zoos. Pandas sind Sexmuffel: Sie haben nur an zwei bis drei Tagen im Jahr Lust auf Sex. An den anderen Tagen schlafen sie, tapsen in ihrem Gehege herum oder fressen ihren Bambus. Rein evolutionär gesehen gehört der Große Panda zwar zu den Raubtieren, doch das Fleischfressen hat er sich abgewöhnt.

Sympathie ist das Um und Auf

In Europa hat nur ein Pärchen im Wiener Zoo auf natürliche Weise Nachwuchs gezeugt. In allen anderen Fällen wird künstliche Besamung eingesetzt. Denn auch im Tierreich herrscht Damenwahl. Und da im Gehege oft nur ein potenzieller Partner zur Verfügung steht, gefällt vielen Weibchen offenbar die Auswahl nicht.

Bei der Zusammenstellung möglicher Zuchtpaare zur Arterhaltung gehe es allerdings fast ausschließlich um die genetische Eignung der Partner, schreiben die Forscher um Meghan Martin-Wintle vom Institute for Conservation Research des San Diego Zoo Global im US-Staat Kalifornien. Dieser Ansatz sei sicher wichtig, um die genetische Vielfalt zu erhalten. Er nütze aber ziemlich wenig, wenn auf diese Weise nur sehr wenige Nachkommen gezeugt würden.

Die Forscher haben daher untersucht, wie sich Möglichkeiten zur freien Partnerwahl auf den Paarungserfolg auswirken könnte. Dazu untersuchten sie zunächst bei etwa 40 Pandas, wie diese auf Tiere des anderen Geschlechts reagierten. Eine positive Einstellung äußere sich etwa durch Herumrollen oder das Setzen von Duftmarken. Jammern oder aggressives Verhalten werteten die Forscher als mangelndes Interesse. Danach brachten sie Panda-Paare zur Paarung zusammen. Bei der Auswahl berücksichtigten sie den Zuchtplan nach der genetischen Eignung der Tiere. Anders als bisher wussten sie nun aber auch, ob sie sich mochten oder sich unsympathisch waren.

Am häufigsten hatten Tiere mit einem bevorzugten Partner Sex. Das galt sowohl für Männchen als auch für Weibchen. Solche Paare bekamen auch häufiger Nachwuchs. Am größten waren die Erfolgschancen, wenn sich beide Partner anscheinend zugetan waren. Panda-Paare, in denen sich beide Tiere nicht mochten, paarten sich gar nicht und zeugten auch keinen Nachwuchs.

Die genauen Mechanismen hinter der Beobachtung kennen die Forscher nicht. Vermutlich hatten die Tiere mehr Sex, wenn sie vom Verhalten einfach besser zueinander passten. Dass Wunschpaare mehr Nachwuchs bekamen, deute zudem darauf hin, dass sie auch genetisch besser kompatibel seien. Ihre Ergebnisse sollten bei der Planung von Zuchtprogrammen künftig neben der genetischen Eignung berücksichtigt werden - bei Pandas und womöglich auch bei anderen bedrohten Tierarten, schreiben die Wissenschafter.

Die Population der in freier Wildbahn lebenden Großen Pandas ist in den vergangenen rund zehn Jahren um 268 auf 1864 Pandabären gestiegen, hatte das chinesische Forstamt in Peking im März diesen Jahres berichtet. Im Vergleich zur vorangegangenen Zählung der Tiere bis Ende 2003 war ihre Zahl damit um rund 17 Prozent gewachsen. Ein Grund für die Entwicklung liegt den Angaben zufolge in neuen Schutzgebieten.