Auch Kolkraben müssen mit Konsequenzen rechnen, wenn sie Kollegen am Schnabel herumführen. Das hat das Team um Jorg Massen von der Uni Wien entdeckt. In einem Versuch mussten zwei Tiere gleichzeitig an den Enden eines Seils ziehen. Nur dann konnten sie eine Plattform mit zwei Käsestücken in ihre Reichweite bringen. Nun gibt es aber auch unter Raben gierige Abzocker. Die verschlangen neben ihrem eigenen Käse auch noch den des Helfers. Die um ihren Leckerbissen betrogenen Tiere merkten sich das und boykottierten jede weitere Kooperation. Wer andere über den Tisch ziehen will, macht sich auch im Tierreich unbeliebt.

Doch immer wieder lohnt es sich offenbar, das Risiko einzugehen, wobei scharfe Konkurrenz die Unehrlichkeit zu fördern scheint. Wie wäre es mit einem falschen Alarmruf, der vor angeblich nahenden Feinden warnt? Damit lassen sich Rivalen ablenken oder sogar zu hektischer Flucht verleiten. Diesen Trick kennen Affen ebenso gut wie einige Nager, Huftiere und Singvögel.

Männliche Leierantilopen versuchen, sich mit Falschwarnungen Vorteile bei Weibchen zu verschaffen. Sie schnauben, als sei ein Raubtier nahe, wollen aber nur anwesende Weibchen verunsichern. Die sollen ja möglichst im Revier des tricksenden Casanovas bleiben, der nun mehr Paarungsgelegenheiten hat.

Sex und Futter als Motive


Überhaupt gehört Sex neben Futter zu den stärksten Motiven für Betrüger. Da verschwinden Gorilla-Weibchen mit rangniederen Männchen zu heimlichen Rendezvous im Gebüsch. Sogar unter Tintenfischen wird gemogelt: So bei den vor der Ostküste Australiens lebenden Trauer-Sepien. Die Männchen sind gestreift, Weibchen haben ein Tarnfleck-Muster. Wie viele andere Tintenfische können sie blitzschnell Farbe und Design wechseln, um mit anderen zu kommunizieren. Wie unehrlich es da zugehen kann, haben Forscher von der Macquarie University in Sydney beobachtet.

Männliche Trauer-Sepien haben ein Problem: Sie brauchen Zeit, um Weibchen zur Paarung zu motivieren. Dabei funken oft Rivalen dazwischen. Die Tiere legen sich daher eine falsche Identität zu. Auf der einen Seite ihres Körpers zeigen sie der Umworbenen Streifen, der Konkurrenz präsentieren sie weibliche Flecken. Ist mehr als ein Rivale anwesend, verzichtet er aber auf die Fälschung- vielleicht aus Angst, enttarnt und angegriffen zu werden.

Die Trickkiste bleibt aber auch zu, wenn mehrere Weibchen anwesend sind. Offenbar wissen die Männchen dann nicht so genau, welcher potentiellen Partnerin sie ihre Schokoladenseite zuwenden sollen. Im Schummeln mögen sie gut sein. Im Sich-Entscheiden offenbar nicht.