Canberra/Washington. Die Versauerung der Meere greift nachweislich die Korallenriffe an. Wie Forscher nun errechneten, könnten die Auswirkungen am Great Barrier Reef vor der Nordostküste Australiens, dem größten Korallenriff der Erde, sogar stärker sein, als bisher angenommen. Klar wird der Einfluss auf die Nesseltiere auch durch eine aktuelle Studie US-amerikanischer Wissenschafter. Denn geschädigte Korallen wachsen wieder besser, sobald die Wasserqualität auf vorindustrielle Werte steigt.

Saures Milieu schädigt

Wie es zu diesem Wachstumsschub kommt, haben die Forscher an Ort und Stelle nachgewiesen. Sie entsäuerten eine Lagune im Great Barrier Reef und konnten damit eine Wasserqualität schaffen, wie es sie vor mehr als 200 Jahren gab. Innerhalb von drei Wochen wuchsen die Korallen um etwa sieben Prozent, berichtet das Forscherteam um Rebecca Albright vom Carnegie Department of Global Ecology in Stanford im Fachblatt "Nature".

Die Ökologen verabreichten der getesteten Lagune, die während der Ebbe vom offenen Meer getrennt ist, alkalisch wirkendes Natriumhydroxid und entsäuerten das Wasser damit künstlich auf vorindustrielles Niveau. Alle anderen Faktoren, wie Wassertemperatur oder Nährstoffe blieben gleich. Die Wissenschafter schließen nun, dass die Korallen seit dem Beginn der Industrialisierung bereits stark unter der Versauerung der Meere gelitten haben müssen.

Kalkaufbau entscheidend

In einem eigenen "Nature"-Kommentar würdigte die australische Meeresforscherin Janice Lough von der James Cook University in Townsville die Arbeit der Kollegen und prophezeite, dass die Schäden an den Riffen auch mit den neu gesetzten Klimazielen der UN-Klimakonferenz in Paris nicht zu beheben sein werden.

Ein australisches Team um Mathieu Mongin von der Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation in Hobart untersuchte unterdessen verschiedene Bereiche des Great Barrier Reef. Die Gruppe berechnete die lokale Aragonit-Sättigung des Wassers, die durch Versauerung gesenkt wird. Aragonit ist ein spezielles Kalziumkarbonat, das zum Aufbau von Korallen dient und wird durch Säure zersetzt.

Der Wert gibt Aufschluss darüber, ob die chemischen Voraussetzungen zum Kalkaufbau der Korallen gegeben sind. Innerhalb des Riffs variierte die Aragonit-Sättigung sehr stark, berichten die Forscher in "Nature Communications". Besonders gefährdet sind demnach die zum Festland gewandte Seite des Riffs und der südliche Teil. Insgesamt sei das Great Barrier Reef künftig stärker durch Versauerung gefährdet, als in den Berichten des Weltklimarates angenommen.