Wien. Mit dem Merkurtransit steht am 9. Mai das interessanteste Himmelsereignis des Jahres bevor. Merkur, der innerste und kleinste Planet des Sonnensystems, zieht von der Erde aus gesehen direkt vor der Sonne vorbei. Das seltene Naturschauspiel ist - bei gutem Wetter - fast in voller Länge zu beobachten.

Der Merkurdurchgang beginnt Montag Mittag in Wien um 13.12 Uhr und endet um 20.44 Uhr. Jedoch geht knapp vor dem Ende die Sonne unter. In diesen rund 7,5 Stunden zieht der Planet als winzig kleiner schwarzer Punkt langsam über die Sonnenscheibe.

Der Planet benötigt nur 88 Tage, um einmal um die Sonne zu kreisen. Etwa alle 116 Tage stehen Erde, Merkur und Sonne in einer Linie. Da die Merkurbahn aber gegenüber jener der Erde um sieben Grad geneigt ist, wandert er dabei meistens nördlich oder südlich der Sonne vorbei. Nur 13 bis 14 Mal pro Jahrhundert geht es sich aus, dass Merkur direkt zwischen Erde und Sonne steht - und das immer im Mai oder im November. Der letzte von Mitteleuropa sichtbare Merkurtransit war 2003, den nächsten gibt es am 11. November 2019.

Deutlich seltener als Merkur- sind Venusdurchgänge. "Allerdings ist Merkur nur ein Drittel so groß, aber doppelt so weit von der Erde entfernt wie die Venus, deren Transit bereits an der Wahrnehmbarkeitsgrenze des menschlichen Auges lag", betont Alexander Pikhard von der Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie (WAA).

Für die Beobachtung des Merkurtransits ist daher ein Feldstecher mit einer mindestens 30-fachen Vergrößerung oder ein Teleskop inklusive spezieller Sonnenfilter notwendig. Denn Merkur wird nur ein 158stel des Durchmessers der Sonnenscheibe messen beziehungsweise 0,004 Prozent davon abdecken. "Das ist mit freiem Auge nicht wahrnehmbar", so Pikhard.

"Auf jeden Fall müssen bei der Beobachtung spezielle Sonnenfilter verwendet werden, die im astronomischen Fachhandel erhältlich sind", erklärt der Experte. Andernfalls würden schwerste Augenschäden bis zur Erblindung drohen. Er warnt auch davor, mit einer Sonnenfinsternis-Brille und einem Fernglas das Ereignis zu beobachten - die Sonnenfilter müssten unbedingt vor den Linsen angebracht werden.

In Österreich wird es viele Veranstaltungen geben, bei denen man den Transit unter fachkundiger Anleitung und der notwendigen Ausrüstung beobachten kann. In Wien etwa lädt die WAA ab 13 Uhr zur öffentlichen Beobachtung auf die Sofienalpe in Wien-Penzing, der Verein Kuffner-Sternwarte von 13 bis 20 Uhr in den Augarten beim gleichnamigen Cafe-Restaurant und das Astronomische Büro Wien ins Freiluftplanetarium Sterngarten am Georgenberg bei der Wotrubakirche in Wien-Liesing.