Honolulu/Wien. (gral) Wer geheime Dinge ahnt oder Entwicklungen frühzeitig zu erkennen vermag, hört sprichwörtlich das Gras wachsen. Wissenschafter haben nun diese Redewendung aufgedeckt und tatsächlich das Wachsen von Maisstängeln hörbar gemacht.

Mais zählt zu den Süßgräsern und nimmt unter den Nahrungsmitteln einen wichtigen Stellenwert ein. Ob als Sirup in diversen Softdrinks, Bindemittel in Fertigsuppen, auf der Pizza oder als Begleitung zum Kinoabend. Er steckt aber nicht nur in Lebensmitteln, sondern auch in Einweggeschirr und Verpackungsmaterial. Rund 20.000 Produkte enthalten bereits Mais. In den USA werden jährlich mehr als 350 Millionen Tonnen geerntet.

Windbruch gefährdet Kukuruz

Immer wieder fallen Bestände dem sogenannten Windbruch zum Opfer. Starke Stürme lassen die Maispflanzen knicken. Wissenschafter sind daher sehr daran interessiert, den Kukuruz, wie er hierzulande auch genannt wird, windbruchsicher zu machen. Seit ungefähr 100 Jahren befassen sich die Wissenschafter schon mit diesem Thema - bisher mit geringem Erfolg.

Bisher - denn nun hat das Team um Douglas Cook von der New York Universität herausgefunden, wie Mais wächst und das auch noch akustisch hervorgebracht. "Wir glauben jetzt, dass das Pflanzenwachstum Millionen winziger Bruchereignisse mit sich bringt und dass diese Brüche die Pflanze dazu bringen, die gebrochenen Regionen zu reparieren."

Indem ständig Brüche entstehen und repariert werden, könne die Pflanze größer und größer werden. Und wie hört es sich nun an, wenn Mais wächst? Sehr ähnlich, wie wenn ein Maisstängel bricht, erklärt Cook in einer Mitteilung der Acoustical Society of America, die dieser Tage auf Hawaii ein Meeting abhält.

Materialbruch sei wie ein mikroskopisches Erdbeben, betont der Biomechaniker. "Die plötzliche Freisetzung von inneren Spannungen sendet Schallwellen, die in alle Richtungen ausstrahlen", so Cook. Mit sogenannten
piezoelektrischen Kontaktmikrofonen wurden diese Geräusche aufgenommen. So versuchen die Forscher zu verstehen, was beim Bruch und beim Wachstum genau passiert.

Ähnlich dem Muskelaufbau

Der Mechanismus sei möglicherweise ähnlich dem Muskelaufbau beim Menschen, vermutet Cook. So entstünden auch beim Stemmen von Gewichten kleine Mini-Risse im Gewebe. Durch deren Reparatur werde der Muskel dann gestärkt.

Diese neuen Erkenntnisse könnten nun dazu beitragen, neue Sorten zu entwickeln, die viel weniger anfällig für Ausfälle während ihrer Wachstumsphase seien.