Greifswald/Wien/Paris. Die aktuell kursierende Vogelgrippe hat sich nach Experteneinschätzung inzwischen zur Pandemie unter Wildvögeln ausgeweitet. Seit dem ersten Nachweis im russisch-mongolischen Grenzgebiet im Sommer habe sich der hochgefährliche H5N8-Erreger zunehmend ausgebreitet, hieß es vom deutschen Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems. Mit Europa, Asien und Afrika seien nun drei Kontinente betroffen.

"Die Ausbreitungsgeschwindigkeit ist beachtlich", sagte FLI-Präsident Thomas Mettenleiter. "Wir sehen im Moment keine Tendenzen zu einer Abschwächung, weder was die Zahl der gefundenen Vögel noch was die geografische Ausbreitung angeht." In Österreich wurde die gefährliche Variante der Vogelgrippe am 9. November bei toten Wildvögeln im Bodensee-Gebiet entdeckt. In Deutschland war der Erreger erstmals vor einem Monat, am 8. November, bei einer toten Wildente am Bodensee und verendeten Wasservögeln in Schleswig-Holstein nachgewiesen worden.

In Österreich ist das Virus am 11. November weiters in einem Putenzuchtbetrieb in Vorarlberg festgestellt worden. Nach dem bestätigten Vogelgrippe-Fall wurden insgesamt 1.100 Tiere gekeult und anschließend seuchensicher entsorgt. Am Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) in Mödling wurden bisher 630 Proben von Wildvögeln und Hausgeflügel auf das AI-Virus (Aviäre Influenza) H5N8 untersucht: Bei 20 Wildvögeln aus dem Bodenseegebiet und bei einer Tafelente vom Salzburger Grabensee wurde das Virus nachgewiesen.

In Deutschland "nie zuvor gekanntes Ausmaß"

In Deutschland wurden 16 Ausbrüche in Geflügelhaltungen, davon vier in Zoos registriert. "Mittlerweile haben in Deutschland die Fälle bei Wildvögeln und Ausbrüche bei Geflügel und in zoologischen Einrichtungen ein nie zuvor gekanntes Ausmaß angenommen", heißt es in der aktuellen Risikobewertung des FLI.

Den Grund für die aktuell vermehrte Eintragung des H5N8-Erregers in Geflügelhaltungen sieht das FLI im offenbar höheren Infektionsdruck aus der Wildvogelpopulation. So sei der Anteil infizierter Vögel unter den Totfunden deutlich höher als 2006/2007. In Europa ist der Erreger demnach inzwischen in zwölf Staaten nachgewiesen worden. Darüber hinaus meldeten Indien, Iran, Israel, Tunesien und Ägypten H5N8-Fälle.