Konstanz. Seepferdchen haben einige ihrer Eigenheiten - etwa Schwangerschaften bei Männchen oder fehlende Zähne - bestimmten genetischen Veränderungen im Laufe der Evolution zu verdanken. Das schreiben Forscher um den Evolutionsbiologen Axel Meyer von der deutschen Uni Konstanz im Fachblatt "Nature". Bei den Tieren seien einige Gene verloren gegangen, andere haben sich dagegen verdoppelt.

"Wir haben versucht, im Genom der Tiere Hinweise oder Erklärungen zu finden, warum das Seepferdchen aussieht wie ein Seepferdchen und sich auch so benimmt", so Meyer. Dabei entdeckten die Wissenschafter etwa, warum das Seepferdchen keine Zähne hat. Mehrere Gene, die bei anderen Fischen und auch beim Menschen zu deren Entwicklung beitragen, gibt es beim Seepferdchen nicht mehr.

Allerdings bräuchten sie auch gar keine Zähne, denn sie zerbeißen die Nahrung nicht, sondern saugen sie in ihre lange Schnauze. Auch Gene, die zum Geruchssinn beitragen, seien verloren gegangen. Dafür besitze das Seepferdchen einen guten Sehsinn mit zwei sich unabhängig voneinander bewegenden Augen.

Wegfall der Bauchflossen

Der Verlust eines Gens ist noch für eine weitere Besonderheit verantwortlich - für den Wegfall der Bauchflossen. Diese hätten evolutionär den gleichen Ursprung wie die menschlichen Hinterbeine, so der Forscher. Sie wiesen diesen Zusammenhang nach, indem sie das betreffende Gen bei einem anderen Fisch, der normalerweise Bauchflossen hat, ausschalteten. "Und Bingo, diese genmanipulierten Fische verloren auch ihre Bauchflossen, wie das Seepferdchen."

Aber nicht nur fehlende Gene sind für die evolutionären Veränderungen verantwortlich. Auch Duplikation spiele eine Rolle. "Wenn ein Gen sich verdoppelt, kann das eine Gen die ursprüngliche Funktion ausführen und das andere ist frei, Mutationen zu tolerieren und auch neue Funktionen entstehen zu lassen", erklärt Meyer. Durch Duplikation werde eine Spielwiese für die Evolution geschaffen. So sei vermutlich auch die Schwangerschaft der Männchen ermöglicht worden. Die männlichen Seepferdchen sammeln Eier und Samen in einer Brusttasche, aus der dann der Nachwuchs schlüpft.

Dem Seepferdchen geht es laut Meyer aus evolutionärer Sicht vor allem darum, möglichst unscheinbar zu sein. "Die Tiere schwimmen fast nie herum, um Nahrung zu suchen, sondern halten sich mit ihrem Schwanz an Seegras oder Korallen fest. Dann warten sie einfach ab, bis irgendetwas vorbeischwimmt - und die Nahrung zu ihnen kommt." Durch den Verlust der Bauchflosse werden die kleinen Tiere außerdem weniger durch den Wellengang beeinflusst.