Potsdam. (est) Die Spur begann mit Sandkörnern, aufgelesen an einem Strand von Mauritius im Jahr 2013 . Die sandigen Lava-Partikel enthielten den Halbedelstein Zirkon. Und dieser entpuppte sich als weitaus älter, als für die gesamte Insel angenommen wird.

Ebenso wie viele andere Inseln des Indischen Ozeans ist auch Mauritius aus Feuer geboren. Der Vulkanismus begann hier vor neun Millionen Jahren. Die Zirkone in den Lavakörnchen des Strandes sind allerdings bis zu 1,9 Milliarden Jahre alt. 2013 veröffentlichte daher das internationale Team unter der Leitung des norwegischen Geologen Trond Torsvik eine Arbeit, wonach die Zirkone auf eine uralte kontinentale Kruste hinwiesen, die unter der jungen Lava begraben liegt. Torsvik hatte damals nahgelegt, die versunkene Landmasse "Mauritia" zu nennen.

Neue Analysen bestätigen nun den Befund. Das Alter der Zirkone deute darauf hin, dass unter dem jungen vulkanischen Gestein des Inselstaats im Südwesten des Indischen Ozeans die Reste eines alten Kontinents begraben liegen, der Indien noch vor 90 Millionen Jahren mit Madagaskar verbunden habe. Das berichten Wissenschafter des Geo Forschungszentrums (GFZ) in Potsdam um Torsvik gemeinsam mit Kollegen der südafrikanischen University of Witwatersrand im Fachjournal "Nature Communications".

Um auszuschließen, dass die Zirkone nur angespült wurden, sammelten die Forscher diesmal ihre Proben nicht am Strand, sondern schlugen sie aus einem offenen liegenden Fels aus vulkanischem Trachyt auf der Insel. Die Zirkone wurden in den Labors des GFZ mit Hilfe eines Sekundär-Ionen-Massenspektrometers analysiert. Zudem extrahierten die Forscher die Halbedelsteine und untersuchten sie auf ihr Alter hin.

"Die neue Studie trägt dazu bei, unser Verständnis von Mauritia zu erweitern. Zugleich widerlegt sie Hypothesen, wonach die Zirkone angeweht oder angeschwemmt worden sein könnten. Vielmehr überdeckt die Vulkaninsel Überbleibsel eines Kontinents, der drei Milliarden Jahre in die Erdgeschichte zurückreicht", berichtet das Team in einer Aussendung. Damit wäre "Mauritia" älter als der Urkontinent Gondwana.

Als vor 90 Millionen Jahren der Großkontinent Gondwana zerbrach, entstanden Afrika, Antarktika, Australien und Indien. Vor 45 Millionen wurde im Zuge dieser Bewegungen auch der Himalayah aufgefaltet und die Platten verschoeben sich gegen Norden.

Zersplitterung der Kruste

Laut den Forschern geschah dies nicht einfach durch eine Abspaltung der Landmassen, sondern durch eine komplexe Zersplitterung, bei der unterschiedlich große Teilstücke der kontinentalen Kruste sich in die sich neu bildende ozeanische Kruste des entstehenden Indischen Ozeans eingegliederten. "Die vermeintlich homogene ozeanische Kruste ist längst nicht so einheitlich wie angenommen", erläutert Michael Wiedenbeck vom GFZ, der die Analysen vornahm. "Vielmehr verbergen sich unter dem Meeresboden immer wieder Bruchstücke von alten Kontinenten. Wir müssen sie nur entdecken."

Zwischen Indien und Madagaskar liegen die Urlaubsparadiese der Seychellen und Mauritius. Die Seychellen mit ihrem granitischen Kern gelten geologisch als uralter Splitter von Indien und Madagaskar, wohingegen Mauritius eine junge vulkanische Insel ist, die über einem "Hotspot" im Erdmantel entstand. Wenn die dünne ozeanische Erdkruste sich über den Hotspot schiebt, erhitzt dieser von unten wie ein Schweißbrenner das Gestein und schmilzt es auf: Ein Vulkan entsteht. Die Kruste schiebt sich weiter, der Vulkan erkaltet, daneben entsteht ein neuer. So bildeten sich Mauritius und Réunion.