Wien. (est) Hummeln sind ungewöhnliche Meisterinnen. Obwohl ihre Körper zu schwer sind für die kleinen Flügeln, fliegen die großen, flauschigen Insekten zum Beispiel bis ins Gebirge. Die Tiere machen die mangelnde Aerodynamik wett, indem sie einfach ununterbrochen mit den Flügeln schlagen. Das erzeugt einen Mini-Tornado, der sie in die Höhe saugt.

Das sanftmütige Insekt setzt außerdem seinen Stachel nur ein, wenn sein Leben unmittelbar bedroht ist, und bestäubt manche Pflanzen besser als Bienen. Nun entpuppt sich die Hummel zudem als äußerst lernfähig. Wenn ihre Lebensumstände es erfordern, können die Vertreter dieser zu den Bienen gehörenden Gattung ganz ungewöhnliche Dinge erlernen, berichten britische Forscher nun im Fachmagazin "Science".

Das Team der Queen Mary University of London hat den Insekten beigebracht, einen winzigen Ball in ein Loch zu rollen. Diese erhöhten bei dem Versuch sogar selbständig die Effizienz. Als Belohnung erhielten die Tiere eine Zuckerlösung.

Forscher testen soziales Lernen und Anpassungsfähigkeit

Schon in früheren Experimenten wurde die Lernfähigkeit der Insekten im Zusammenhang mit deren täglichen Aufgaben getestet. Nun aber wurden sie mit komplexeren Aufgaben konfrontiert, die nichts mit ihren sonstigen Lebensgewohnheiten zu tun hatten. Die Forscher wollten herausfinden, wie anpassungsfähig die Hummeln tatsächlich sind.

Für das Experiment haben die Forscher um Olli Loukola zunächst einigen Hummeln mit Hilfe einer Insektenattrappe, die sie an einem Stäbchen bewegten, beigebracht, einen gelben Ball in ein Loch zu rollen. Gelang dies, erhielten sie dort eine Zuckerlösung. Hummeln, die diese Aufgabe gelernt hatten, dienten im weiteren Verlauf der Studie als Lehrer für andere Hummeln. Durch dieses Vorgehen sollte auch getestet werden, wie stark soziales Lernen bei den Tieren ausgeprägt ist.

Dabei gab es drei Varianten des Experiments. In einer ersten Variante sahen die Tiere einer bereits trainierten Hummel dabei zu, wie sie den Ball in das Loch bewegte und ihre Belohnung bekam. In einem zweiten Versuch mit anderen Hummeln konnten diese beobachten, wie der Ball für sie unsichtbar durch einen Magneten in das Loch bewegt wurde und es dort eine Zuckerlösung gab. Bei einer dritten Variante lag der Ball samt Zuckerlösung bereits in der Vertiefung.

Im Versuch waren jene Hummeln am erfolgreichsten, die eine andere Hummel beobachtet hatten. Von 30 Insekten lösten 25 die Aufgabe bereits im ersten Versuch. Insgesamt weniger geschickt waren die Tiere, bei denen sich der Ball mittels eines Magneten bewegt hatte. Am schlechtesten schnitten jene ab, bei denen die Kugel bereits im Loch lag. Damit habe sich gezeigt, dass soziales Lernen bei Hummeln eine große Rolle spiele, betont Loukola.

Hummeln, die zuvor Zuschauer gewesen waren, ahmten das beobachtete Verhalten allerdings nicht blindlings nach - sondern sie verbesserten es. Insgesamt hatten die Tiere die Wahl zwischen drei Bällen. Bei den zuerst trainierten Hummeln waren zwei der Bälle angeklebt. Sie konnten jeweils nur den Ball bewegen, der am weitesten vom Loch entfernt war. Das beeindruckte ihre Hummel-Zuschauer aber nicht: Als diese selbst aktiv wurden, entschieden sie sich überwiegend für den Ball, der dem Loch am nächsten - und in ihrem Fall nicht angeklebt - war. Damit wählten die Hummeln die effizienteste Lösung.

Beim Ball kommt es auf die Form an, nicht die Farbe

Außerdem spielte die Farbe des Balles keine Rolle: Die Hummeln rollten jenen Ball zum Ziel, der dieser Vertiefung am nächsten war, egal ob dieser gelb oder schwarz war. Offenbar hatten die Insekten begriffen, worauf es bei einem Ball ankommt.

Laut den Forschern haben die Hummeln deutlich mehr Lern- und Anpassungsfähigkeit gezeigt, als sie sonst in ihrem Alltag benötigen, betont Projektleiter Lars Chittka: "Ihre kleinen Gehirne schränken Insekten nicht so ein, dass sie nur eine simple Lernfähigkeit zeigen oder ihr Verhalten nicht anpassen können." In jedem Fall könnten sie auf Anforderungen reagieren, die ihre Lebensumstände von ihnen erfordern, und entsprechende Fähigkeiten entwickeln.