Boulder. (dpa) Kurz vor Ende des Winters erreicht das Meereis der Arktis seine größte Ausbreitung. Doch die Eisdecke war noch nie so klein wie heuer. Sie habe sich über bloß 14,42 Millionen Quadratkilometer ausgebreitet, teilten die US-Raumfahrtbehörde Nasa und die Klimabehörde National Snow and Ice Data Center (NSIDC) nach am Donnerstag mit.

Es handle sich um die geringste Maximal-Ausdehnung seit Beginn der Satellitenmessungen vor 38 Jahren. Bereits in den beiden vergangenen Jahren waren auf der nördlichen zirkumpolaren Erdregion Negativrekorde aufgestellt worden: 2015 hatte sich die Meereisdecke der Arktis auf 14,517 Millionen Quadratkilometer ausgebreitet, 2016 auf 14,52 Millionen. Ursache für die geringe Ausbreitung 2017 seien ein warmer Herbst und Winter in der Arktis mit Temperaturen von rund 2,5 Grad Celsius über dem Durchschnitt gewesen. Messungen eines Satelliten der Europäischen Raumfahrtagentur ESA ergaben zudem, dass das Eis geringfügig dünner war als in den vergangenen vier Jahren.

Außergewöhnliche Wetterdaten

"Ich beobachte das Wetter in der Arktis seit mehr als 35 Jahren und so etwas wie in den vergangenen zwei Jahren habe ich noch nie auch nur ansatzweise gesehen", sagte NSIDC-Direktor Mark Serreze am Donnerstag.

Auch die Weltwetterorganisation (WMO) in Genf hatte diese Woche betont, wie außergewöhnlich die Wetterdaten der Arktis in den vergangenen Monaten waren. Mindestens drei Mal sei es zu so etwas wie Hitzewellen gekommen. Auf dem Höhepunkt des Winters und der eigentlichen Gefrierperiode habe es Tage mit Temperaturen fast am Schmelzpunkt gegeben. Das wiederum habe den polaren Jetstream - einen der Windströme, die sich in großer Höhe um den Planeten ziehen - und damit das Wetter global beeinflusst.

"Wir sehen bemerkenswerte Veränderungen auf dem Planeten, die die Grenzen unseres Verständnisses des Klimasystems erreichen", sagte der Direktor für Klimaforschung, David Carlson. "Wir betreten hier absolutes Neuland." Auf der gegenüberliegenden Seite im Süden hatte die antarktische Forschungsstation "Halley VI" im Jänner wegen Rissen im Eis der Umgebung schließen müssen.