Wien. (est) "Gekaufte Wissenschaft": Diesen Befund attestiert die Umweltschutzorganisation Global 2000 jenen Studien, die das Herbizid Glyphosat als nicht krebserregend einstufen. Die NGO veröffentlichte am Donnerstag den Bericht "Glyphosat und Krebs". Er soll aufzeigen, wie der US-Saatgutriese Monsanto aktiv Schritte setzte, damit das Herbizid weiter verwendet werden darf.

Die chemische Verbindung Glyphosat ist eine Hauptkomponente von Breitbandherbiziden zur Unkrautbekämpfung. Das bekannteste Produkt, Round-up, wird vom US-Saatgutmulti Monsanto erzeugt, der genetisch modifizierten Mais verkauft, der das Mittel anders als andere Pflanzen das Mittel verträgt. Zu möglichen Gesundheitsgefahren läuft eine intensive öffentliche Debatte. 2015 stufte die Internationale Agentur für Krebsforschung Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend ein. Mitte März konterte die Europäische Chemikalienagentur Echa: nicht krebserregend. Das Unkrautvernichtungsmittel erfülle nicht die Kriterien für karzinogen, mutagen oder schädlich für die Fortpflanzung, erklärte die Behörde. Glyphosat rufe aber schwere Augenschäden hervor und sei nachhaltig giftig für das Wasser-Ökosystem.

Ende der Zulassung?

Global 2000 schätzt den weltweiten Markt für Glyphosat auf etwa zehn Milliarden US-Dollar (2021). Die Hersteller hätten wissenschaftliche Beweise über die Auswirkungen in ein anderes Licht gerückt, um die umstrittene Substanz weiter auf dem Markt zu halten, erklärt die NGO. "Zwischen 2012 und 2016 beauftragten Hersteller von Glyphosat eine Reihe von wissenschaftlichen Übersichtsarbeiten, die alle zu dem selben Ergebnis kamen: Der Pestizidwirkstoff Glyphosat sei nicht gesundheitsschädlich", heißt es in einer Aussendung zum Bericht.

Das Echa-Gutachten soll als Grundlage für die Entscheidung über eine Verlängerung der Zulassung von Glyphosat in Europa dienen. Erst vergangene Woche hatte jedoch ein US-Bundesgericht in San Francisco Unterlagen über interne Mails zwischen Monsanto und Regulierungsbehörden veröffentlicht, in denen Zweifel an der Sicherheit des Pestizids angemeldet würden, berichtete die "New York Times".