Einst blau, heute rot. - © Nasa
Einst blau, heute rot. - © Nasa

Boulder/Wien. Vor Milliarden von Jahren könnte der Mars Leben beherbergt haben. Erst mit der Zeit wurde er zu jener kalten, roten Wüste, als die er sich heute präsentiert. Schuld daran ist vermutlich der Verlust der ursprünglichen Atmosphäre, die aufgrund von Sonnenwinden und kosmischer Strahlung regelrecht zerfressen wurde, wie neue Daten der Mars Atmosphere and Volatile Evolution Mission (Maven) der US-Weltraumagentur Nasa zeigen. "Wir haben herausgefunden, dass der größte Anteil des Gases, das sich jemals in der Mars-Atmosphäre befunden hat, im All verloren gegangen ist", schildert Bruce Jakosky von der University of Colorado in Boulder im Fachblatt "Science". Dabei handelt es sich um das Edelgas Argon und um Kohlendioxid.

Wasser in flüssiger Form, das als Voraussetzung für Leben, wie wir es kennen, gilt, ist auf der Oberfläche des Roten Planeten heute nicht auffindbar. Dafür ist die Atmosphäre viel zu kalt und auch zu dünn. Dennoch finden sich auf der Oberfläche ausgetrocknete Flussbetten und Mineralien, die sich nur in der Gegenwart von Wasser bilden, schreiben die Forscher. Das frühere Klima des Mars dürfte daher deutlich anders ausgesehen haben, wird vermutet - nämlich warm genug, um Wasser für lange Perioden halten zu können.

Es gibt unterschiedliche Wege, wie Planeten Teile der Atmosphäre verlieren können. So können etwa chemische Reaktionen dafür sorgen, dass sich das Gas ins Oberflächengestein einschließt, oder es wird durch Strahlung und Winde des Heimatsterns aufgefressen, heißt es in der Publikation. Die neuen Erkenntnisse sprechen für Variante zwei. Und demnach war der Abbau des Gases massiv genug, um die heutigen Klimaverhältnisse herzustellen.

Da junge Sterne eine höhere Intensität an ultravioletter Strahlung und Sonnenwinden - Ströme geladener Teilchen - haben, vermuten die Forscher, dass dieser Abbauprozess besonders in der frühen Marsgeschichte stattgefunden hat. Es sei möglich, dass es einst mikrobielles Leben gab. Als der Planet auskühlte und austrocknete, könnte jegliches Leben entweder im Untergrund verschwunden oder in seltene Oberflächenoasen eingebettet worden sein. Das Gas Argon selbst muss den Forschern zufolge ins All ausgeströmt sein, da Edelgase keine chemischen Verbindungen eingehen können, erklärt Jakosky. Demnach könne sich es auch nicht in Gestein zurückgezogen haben.

Kohlendioxid sei wohl auf die gleiche Art und Weise verschwunden. Die Marsatmosphäre könnte früher dichter gewesen sein, ähnlich jener der Erde, wobei sie zum größten Teil aus CO2 bestanden haben dürfte. Durch verschiedene Prozesse wird aber Kohlendioxid wieder angereichert, weshalb dieses Gas auch heute noch den größten Teil der dünnen Atmosphäre ausmachen dürfte.