Bunte Vielfalt: Die Hälfte der heutigen Minerale entstand durch den Einfluss von Leben - links Konichalcit, rechts Chrysokoll. - © NHM/Schumacher
Bunte Vielfalt: Die Hälfte der heutigen Minerale entstand durch den Einfluss von Leben - links Konichalcit, rechts Chrysokoll. - © NHM/Schumacher

Wien. Steine sind Steine. Könnte man meinen. Stimmt aber nicht ganz. Unter anderem sind sie weniger fest, als sie aussehen. Ähnlich wie Eis können auch Steine schmelzen - etwa wenn Lava sich bei einem Vulkanausbruch über die Landschaft ergießt. Und ähnlich wie Wasser ist Gestein in seiner Ursprungsform gasförmig. "Wenn Gase sich abkühlen, werden sie zu Mineralen - und Minerale sind Stein", betonte Christian Köberl, der Direktor des Naturhistorischen Museums Wien, bei einem Rundgang durch die neue Dauerausstellung seines Hauses am Dienstag.

"Die Evolution der Minerale" heißt die Schau, die die Geschichte der härtesten Naturschätze erzählt und den neuen Ausgangspunkt der mineralogisch-petrographischen Sammlung darstellt. Ab heute, Mittwoch, kann die Entstehungsgeschichte der Minerale anhand von etwa 50 faustgroßen Prachtexemplaren nachvollzogen werden.

Heute sind auf der Erde 5000 Mineralien bekannt. Am Anfang des Universums existierten deren jedoch nur zwölf. "Nach dem Urknall vor 13,8 Milliarden Jahren bildeten sich als erste Elemente Wasserstoff und Helium", informiert das NHM in den Ausstellungsunterlagen. Bei Kernfusionen in Sternen entstanden daraus die anderen chemischen Elemente. Von Sternenexplosionen blieben Gaswolken übrig, die diese Elemente im Weltraum verteilten. "Als das Gas abkühlte, bildeten sich daraus Minerale als winzige Körnchen", erklärte Köberl.

Vater der Mineral-Evolution

Die Urminerale - das erste war Diamant - durchliefen bis zur heutigen Vielfalt eine Art Evolution. "Bei Evolution denken wir in der Regel an Biologie. Doch auch Mineralien haben im Laufe der Geschichte eine prachtvolle Komplexität als Antwort auf veränderte Umweltbedingungen hervorgebracht", erläuterte Köberl. Nicht nur Sternenexplosionen und Gaswolken, sondern auch die Planetenbildung, die Plattentektonik auf der Erde und schließlich das Leben trugen zur Bildung neuer Gesteinsformationen bei - ob zackig oder rund, kristallin oder glatt, blau, gelb oder grün, edel oder halbedel, Smithsonit oder Konichalcit.

"Etwa die Hälfte der Minerale, die wir heute kennen, ist durch den Einfluss von Lebewesen entstanden", sagte der US-Forscher Robert Hazen. Der Mineraloge an der Carnegie Institution for Science in Washington DC ist so etwas wie der Vater der Mineral-Evolution. Im Jahr 2008 hatte er erstmals die Zusammenhänge zwischen der Neubildung von Mineralen und der Entwicklungsgeschichte der Erde aufgezeigt. Ihm war aufgefallen, dass die Mineralvielfalt auf der Erde weit größer ist als auf allen bisher untersuchten Planeten und Monden in unserem Sonnensystem.