Eierfarben variieren von Weiß bis Blau-Grün. - © Fotolia/Rainer Wolf
Eierfarben variieren von Weiß bis Blau-Grün. - © Fotolia/Rainer Wolf

Berlin. Dekorative Eier? Kein Problem. Grüne und blaue Schalen, rötliche und braune, einfarbige und gefleckte - das alles bekommt die Vogelwelt ohne österliche Nachhilfe zustande. Was aber steckt hinter der Vielfalt? Welche Vorteile haben die Farben und Muster? Solche Fragen untersuchen Evolutionsforscher seit über hundert Jahren. Und sie finden immer wieder neue Antworten. Offenbar kann das Aussehen der Eier auf verschiedene Weise die Zukunftschancen der Küken beeinflussen. Da lohnt es sich, in ein ausgeklügeltes Design zu investieren. Die Farbpalette, mit der die Vögel dabei arbeiten können, ist aber sehr begrenzt. So scheinen sämtliche natürlichen Eierfarben auf gerade einmal zwei Pigmenten zu basieren: dem blau-grünen Biliverdin und dem rostbraunen Protoporphyrin.

Drei Grundtöne

In der bisher größten Eierfarb-Studie hat Daniel Hanley von der tschechischen Palacký-Uni untersucht, ob die Tiere damit tatsächlich eine solche Vielfalt von Schattierungen zustande bringen können. Sie haben bei Eiern von mehr als 600 Vogelarten analysiert, welche Wellenlängen diese reflektieren. In ein Computermodell speisten sie die Daten von drei Arten ein, die ohne Mischfarben auskommen: Wanderdrosseln setzen auf weitgehend reines Blau, Wanderfalken auf pures Braun. Eissturmvögel verzichten ganz auf Pigmente und lassen ihre Eischalen weiß.

Diese drei Grundtöne ließen sich im Computer tatsächlich zu allen Farben des Eierschalen-Spektrums zusammenmischen. Offenbar genügt das, um alle Ansprüche an ein wirkungsvolles Design zu erfüllen. Viele Arten nutzen die Pigmente, um ihrem Gelege eine Art Tarnanstrich zu verpassen. Schließlich soll der Nachwuchs nicht schon vor dem Schlüpfen im Maul von Eierdieben landen.

Gerade in Nestern, die für Plünderer gut erreichbar sind, finden sich oft unauffällige Gelege. Die cremefarbenen, braun gefleckten Kiebitz-Eier sind in einer Bodenmulde zwischen Pflanzen schlecht zu sehen. Auch andere Arten vom Rotkehlchen bis zum Kranich legen gesprenkelte Eier in Beige-, Rot und Brauntönen, deren Farben und Muster mit der Umgebung verschmelzen. Jedoch ist Tarnung nicht alles. Sonst müsste auch der Afrikanische Strauß seinen Nachwuchs in Braun hüllen. Schließlich lässt der Riesenvogel sein Gelege fast zwei Wochen lang unbetreut auf dem Savannenboden liegen, bevor er mit dem Brüten anfängt. Da haben Hyänen, Löwen und Geier beste Chancen, etwas abzustauben - zumal die Eier dank ihrer weißen Schalen auffällig sind.