Cambridge/Wien. Mehr als vier Milliarden Jahre gibt es schon Leben auf der Erde und der Zeitplan der Evolution zu den heutigen Wesen ist mittlerweile sehr gut bekannt. Das Tempo dieser "unsteten Reise" gaben Umweltbedingungen vor, berichtet nun der österreichische Biomathematiker Martin Nowak, der an der Harvard Universität in Cambridge forscht. Die Lebewesen waren bei diesem Prozess aber nicht nur unbeteiligte Passagiere, erklärt er gemeinsam mit Wissenschafterkollegen im Fachmagazin "Science Advances".

Die Forscher haben die verschiedensten Arbeiten zu Datierung von Fossilien und der Entstehungsgeschichte der Lebewesen studiert und kamen dabei zum Schluss, dass genau zwei Ereignisse rund um Sauerstoff die bedeutendsten Einschnitte in der Evolution brachten: Einerseits sei dies die "Große Sauerstoffkrise" vor rund 2,4 Milliarden Jahren gewesen, als damalige, recht einfach gebaute Mikroben durch Photosynthese viel mehr Sauerstoff produzierten, als sie vertrugen. In Folge kamen Eukaryoten auf, also komplizierte Kleinlebewesen mit echtem Zellkern.

Mikroben als Ingenieure

Im sogenannten "Neoproterozoikum" war schließlich vor ungefähr 750 Millionen Jahren so viel Sauerstoff in unserer Erdatmosphäre und drang bis in die Tiefen der Ozeane vor, sodass sich größere mehrzellige Lebewesen entwickeln konnten und die ersten Tiere entstanden.

Das Timing der Evolution würde hauptsächlich von den äußeren Bedingungen auf dem Planeten getaktet, meint das Forscherteam um Nowak. Die physikalischen Umstände bestimmten demnach den Zeitrahmen bei der Großen Sauerstoffkrise. Produziert wurde das Gas damals allerdings von den Mikroben, die damit zu den "Ingenieuren des Ökosystems" wurden und es maßgeblich beeinflussten.