Wien. Mehr als 3500 Exoplaneten wurden bisher entdeckt, eine zweite Erde unter ihnen aber noch nicht gefunden. Derzeit gilt der 4,2 Lichtjahre entfernte Planet Proxima-b als aussichtsreichster Kandidat, es besteht jedoch der Verdacht, dass er keine Atmosphäre halten kann. Ab morgen, Donnerstag, gibt die Exoplaneten-Forscherin Lisa Kaltenegger ein Seminar beim Forum Alpbach, in dem sie der Frage nachgeht, unter welchen Bedingungen Leben im All entstehen könnte. Der "Wiener Zeitung" gab sie erste Einblicke.

"Wiener Zeitung": Wir sind ein Staubkorn. Wir leben auf einem Planeten am Rand der Milchstraße, in der sich Millionen von Sonnensystemen bewegen, und es gibt unzählige Galaxien im All. Wie groß ist die Chance, dass sich zwei Staubkörner im Universum treffen?

Lisa Kaltenegger: Leben könnte es überall oder nirgends geben. Genau darum ist die Suche danach so spannend. Heute sind wir erstmals in der Lage, diese Suche anzutreten. So weit haben wir immerhin herausgefunden, dass jeder fünfte Stern einen Planeten hat, der wie die Erde sein könnte. Mit neuen Teleskopen können wir diese Planeten über riesige Distanzen erforschen.

Lisa Kaltenegger, geboren 1977 in Kuchl bei Salzburg, ist Astronomin und Astrophysikerin, die sich mit Exoplaneten und Supererden beschäftigt. Bei der Seminarwoche des Forum Alpbach leitet die Assistenzprofessorin der Cornell University in Ithaca, New York, ab 17. August ein Seminar zuLeben im All.
Lisa Kaltenegger, geboren 1977 in Kuchl bei Salzburg, ist Astronomin und Astrophysikerin, die sich mit Exoplaneten und Supererden beschäftigt. Bei der Seminarwoche des Forum Alpbach leitet die Assistenzprofessorin der Cornell University in Ithaca, New York, ab 17. August ein Seminar zuLeben im All.

Welche Teile des Nachthimmels beobachten die Teleskope?

Kepler-K2, Hubble, Trappist und MEarth suchen derzeit nach Planeten, die um Sterne am gesamten Himmel kreisen. Anfang 2018 startet die Nasa-Mission Transiting Exoplanet Survey Satellite, bei der ich mitarbeite. Sie soll die hellsten und erdnächsten Sterne systematisch nach Planeten absuchen. In Europa ist eine ähnliche Mission geplant. Plato soll 2024 starten und auch die weniger hellen Sterne beobachten.

Was wurde bisher entdeckt?

Astronomen haben mehr als 3500 Planeten um andere Sterne gefunden. Darunter gibt es ein paar Dutzend, die ähnlich viel Licht und Wärme abbekommen wie die Erde von der Sonne. Wir wissen auch, dass unser nächster Stern, Proxima Cenaturi, von einem Planeten umkreist wird, der etwas schwerer als die Erde ist, Proxima-b. In einer klaren Nacht können Sie ihn sehen.

Welcher Planet gilt als aussichtsreichster Kandidat für Leben?

Das ist die spannende Frage. Wiederum neue Teleskope werden Planeten-Atmosphären auf Zeichen von Leben analysieren. Das James Webb Space Telescope der Nasa soll 2018 ins All starten, das European Extremely Large Telescope ab 2024 von Chile aus in den Weltraum schauen.