Und das ist nur das sichtbare Plastik, das der Konsument wenigstens artgerecht entsorgen kann. Das unsichtbare Plastik ist das sogenannte Mikroplastik, das sich in Zahnpasten, Zahnweißmachern, Duschgels und Peelingprodukten versteckt und nahezu unweigerlich in den Wasserkreislauf gerät. Die größten Plastiksünder sind dabei die USA, China, Indien und Afrika, wobei wenigstens einzelne afrikanische Staaten, etwa Kenia, gegen die Flut an Plastikmüll vorgehen.

Laut der Meeresschutzorganisation Oceana gelangen 12,7 Millionen Tonnen Plastikmüll pro Jahr ins Meer. Mittlerweile schwimmt im Ozean sechs Mal mehr Plastik als Plankton. Der Müll ist im gesamten Meer verteilt, doch Strömungen und Wirbel konzentrieren ihn an sechs Stellen: dem west-, ost- und südpazifischen Plastikstrudel, dem nordatlantischen und südatlantischen Plastikstrudel und dem Plastikstrudel des indischen Meeres. Der ostpazifische Plastikstrudel im ersten Drittel der Strecke von der Westküste der USA in Richtung Hawaii wird auf ein Gewicht von drei Millionen Tonnen geschätzt. Wobei der Ausdruck Plastikstrudel nicht die ganze Wahrheit wiedergibt, denn der Müll, den das Meer an diesen Stellen zu riesigen Feldern konzentriert, besteht zwar überwiegend, aber nicht allein aus Plastik.

Das größte Problem sind die Abbauzeiten. Zum Vergleich: Während das Meer etwa 6 Wochen braucht, um Papier abzubauen, braucht es für Aludosen 200 Jahre, für Plastikflaschen 450 Jahre und für Angelschnüre 600 Jahre.

Das Plastik wird beim Abbau vorerst einmal in kleine Partikel zerrieben. Dadurch gelangt es in die Nahrungskette von Fischen und Seevögeln. Das Plastik ist unverdaulich, die Tiere verhungern bei vollem Magen. Mehr als eine Million Seevögel verenden dadurch in einem Jahr, die Zahl anderer Meereslebewesen kann nicht einmal geschätzt werden.

Die Aachener Architektin Marcella Hansch hat eine Reinigungsanlage entworfen, die täglich rund 50 Tonnen Plastikmüll aus dem Meer fischen und recyclen soll. Ein anderes vergleichbares Projekt stammt vom Niederländer Boyan Slat. Doch Slats Versuch mit einem Prototypen musste eingestellt werden, und Hanschs Projekt ist in der Entwicklungsphase.

Die leere See

Während der Müll im Meer stetig zunimmt, nehmen die Fischbestände ab. 93 Prozent sind überfischt, zahlreiche Haiarten akut bedroht - wobei der Hai das große Korrektiv der See ist. Ohne Hai droht das Ökosystem Meer zu kippen. Doch die chinesischen Feinschmecker kümmert das wenig, sie verlangen weiter nach Haifischflossen. Soeben wurden an Bord der "Fu Yuan Yu Leng 999" 6623 getötete Haie entdeckt, darunter zahlreiche von bedrohten Arten. Auch die Treibnetzfischerei, die nicht unterscheidet zwischen verwendbarem Fisch und wertlosem Beifang, setzt den Fischbeständen zu, und die Fischerei mit Grundschleppnetzen verwandelt den Meeresboden in Unterwasserkarst.

Dass der Mensch durch den Raubbau am Meer die Lebensader des Planeten gefährdet, ist immer noch zu wenig ins Bewusstsein gedrungen. Den krank gemachten Titanen zu heilen, ist die größte Herausforderung der Zukunft.