Wien. Den Zusammenhang von Ursache und Wirkung verstehen Wölfe besser als Hunde. Das haben Wissenschafter des Wolf Science Center (WSC) der Veterinärmedizinischen Universität Wien in Ernstbrunn (NÖ) herausgefunden und berichten darüber im Fachblatt "Scientific Reports". Die Forscher testeten, wie die Tiere auf unterschiedliche menschliche Gesten reagieren.

In den Experimenten mussten sie zwischen zwei Objekten wählen, von denen eines Futter enthielt, das andere nicht. In der ersten Versuchsreihe ging es darum, ob die Vierbeiner allein durch Augenkontakt oder in Verbindung mit einem Fingerzeig oder Nicken einen Hinweis auf den Behälter mit Futter verstehen. Sowohl Hunde als auch Wölfe erkannten diesen Wink und fanden das Futter.

Einfluss der Domestikation

Dann ging es darum, ohne Augenkontakt nur mit Hilfe von Gesten die Belohnung zu finden. Daran scheiterten alle Tiere. Im dritten Versuch gab es ohne sichtbare Anwesenheit eines Menschen nur einen akustischen Hinweis, dass sich in dem Behälter ein Leckerli befindet. Während die Hunde hier versagten, verstanden die Wölfe den kausalen Zusammenhang zwischen Geräusch und Belohnung.

"Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass die Domestikation einen Einfluss auf die Wahrnehmung unserer heutigen Hunde hatte", sagt Michelle Lampe von der Radboud Universität in Nijmegen (Niederlande), die gemeinsam mit Zsofia Viranyi vom WSC die Versuche durchgeführt hat. Nicht ausschließen könne man den Einfluss des unterschiedlichen Zugangs zu Futter: Wölfe müssen dafür mehr Forschungsdrang zeigen als Hunde, die üblicherweise ihr Fressen vom Menschen bekommen. Die Forscher haben in der Studie auch im Rudel lebende Hunde mit Wölfen verglichen - mit demselben Ergebnis. Damit zeigt sich, dass die Haltung keinen Einfluss hat.