Washington/Wien. (gral) Jener Tsunami, der im Jahr 2011 über die japanische Tohoku-Region hereingebrochen war, löste eine beispiellose Wanderung Hunderter Meeresspezies aus, wie Wissenschafter des Smithsonian Environmental Research Center, des Williams College und anderen Institutionen nun herausfanden. Nahezu 300 Arten finden sich heute auch an den Küsten Hawaiis sowie der US-Westküste, beschreiben die Forscher im Fachblatt "Science".

Der Tsunami am 11. März 2011 war durch ein Erdbeben der Stärke 9 östlich von Japan ausgelöst worden. Die Wellen hatten eine Höhe von ungefähr 38 Metern erreicht. Millionen von Objekten, von Plastikteilen bis hin zu Fischerbooten und ganzen Docks, wurden in Folge an die Küste geschwemmt. An diese angeheftet, machten sich die vielen Arten auf die Reise über den großen Ozean, berichten die Forscher. "Ich denke nicht, dass viele dieser Küstenorganismen für längere Zeit im Ozean überleben könnten", erklärt der Meeresbiologe Greg Ruiz vom Smithsonian Environmental Research Center. Solche Bruchstücke, gepaart mit Tsunamis und heftigen Stürmen, ermöglichen die Reise allerdings in wesentlich kürzerer Zeit.

Weichtiere an Bord

An Trümmern, die bis in den östlichen Pazifik angeschwemmt worden waren, entdeckten die Forscher etliche lebende Organismen. Nahezu zwei Drittel der Spezies hatten die Westküste der USA noch nie zuvor gesehen. Darunter befinden sich Weichtiere wie Muscheln, Würmer, Seeanemonen, ober Krebstiere. Zwar habe sich die Zahl der Ankommenden zuletzt verringert, doch sei kein Ende der Einreisen in Sicht. Auch nach Abschluss der Studie werden nach wie vor neue Spezies aufgespürt. Bisher wurden 289 Arten entdeckt, doch es könnten wesentlich mehr sein, wie die Forscher berichten.