Kihlihihihi. Irr dji dji ds chrr. Und: Dü-lio-liu. Nein, das ist nicht Dadaismus. Auch nicht die künstlerisch verfremdete Lautsprecherdurchsage auf einer zeitgenössischen Kunstmesse. Es sind Gabelweihe, Hänflinge und Pirol - Vögel also.

Peter Krauss, ein seit 50 Jahren in Südostfrankreich lebender pensionierter Deutschlehrer, hat ihnen lange genau zugehört, hat notiert und gesammelt. Nun legt er in der zu Recht gerühmten Reihe "Naturkunden" ein fein gestaltetes, schön illustriertes Handwörterbuch der Vogellaute vor. Klug ist, dass das handflächengroße Format so gewählt wurde, dass das Büchlein in jede Jackentasche passt und sich gut somit für Feld, Wald und Wiese eignet. Alphabetisch geordnet - von Adler über Grasmücke, Laubsänger und Rohrdommel bis zu Zeisig und Zwergschnepfe - ist aufgelistet, welcher Vogel wie singt, ob er zippt, zetscht oder murxt. Ein berückendes Geschenk für jeden Vogelliebhaber.

Schwindende Bestände

Aber wo, stellt sich die Frage, hört man alle diese Laute noch in Reinkultur? Denn die Vogelbestände nehmen in Europa besorgniserregend ab. Von diesem Aussterben handelt der erste Teil von "Unsere Vögel", dem neuen Buch des Biologen und Verhaltensforschers Peter Berthold, der ein Vierteljahrhundert lang an der Universität Konstanz lehrte und Direktor des Max-Planck-Instituts für Ornithologie war. Erschüttert wie erschütternd entwirft Berthold, Autor des Klassikers "Vögel füttern - aber richtig", teilweise in gedrängter Überfülle, ein düsteres Bild der Vertreibung und des Artensterbens. Größtenteils verursacht ist Letzteres durch den Menschen, agroindustrielle Monokulturen, Lärm und Zersiedelung der Landschaft. Gleichermaßen Politik wie Behörden klagt Berthold an, zeiht sie Untätigkeit und Apathie, zu Recht, reagieren sie doch entgegen grundlegender Studien und wissenschaftlicher Empfehlungen bestenfalls träge auf Missstände.

Dann kippt das Buch und Berthold, bis dahin ein eher schwergängiger Stilist, entpuppt sich als beschwingter Optimist. Denn in der zweiten Hälfte erzählt er enthusiastisch von "Jeder Gemeinde ihr Biotop", mittlerweile zur ökokommunalen Bewegung geworden. Finanziert von der Heinz-Sielmann-Stiftung, begann Berthold vor Jahren damit, ein neues Biotop im Linzgau am nördlichen Ufer des Bodensees anzulegen. Mit überwältigendem Erfolg. Inzwischen ist dort ein außergewöhnlicher Reichtum an Fauna und Flora eingezogen, die dort fast eine Generation lang nicht mehr zu finden waren. Berthold erweist sich als inspirierender Praktiker. Seine Vorgehensweise breitet er klar und nachvollziehbar aus einschließlich Ratschlägen für die Kommunikation mit zuständigen Ämtern, sodass sofort einleuchtet, wieso sich mittlerweile viele Gemeinden der Biotop-Idee angeschlossen haben.