Wien. (est) Bohrkerne des Erdreichs erinnern an Kunstwerke. Sie zeigen die vielen Schichten, die selbst in kleinen Regionen höchst unterschiedlich beschaffen sein können: fein und lössig, hart und steinig, kieselig, wurzel- durchzogen, dunkel oder hell. Was also macht Erdreich zu Erdreich? Und ist Erde im Regenwald die Gleiche wie in den Weingärten der Wachau?

Niederländische und britische Forscher gehen dieser Frage nach. Sie sequenzieren die DNA von Erdreich-Proben aus der ganzen Welt und entdecken dabei ökologische Muster und mikrobielle Gemeinschaften. Ein Team aus 36 Forschenden des niederländischen Instituts für Ökologie und der Universität Manchester hat 1900 Beispiele für Erdreich aus 21 Ländern gesammelt. Dabei hat es 8000 bakterielle Gruppen entdeckt.

Einige Bakteriengruppen sind in allen Böden zu Hause

Einige Gruppen von Mikroorganismen sind in allen Erdreich-Proben der Welt zu Hause: Sie machen also Erdreich zum Erdreich. Ob sie von einem britschen Feld, dem Amazonas-Wald oder einem spanischen Dorf entnommen wurden: Die Bakteriengruppen waren immer die gleichen, berichten die Forscher im Fachjournal "Nature Microbiology".

Andere Bakterien nehmen es hingegen genauer. Gerade ihnen sollte die Forschung mehr Beachtung schenken, heißt es. Diese wählerischen Mikroben könnten nämlich Aufschlüsse geben, warum manche Böden fruchtbarer sind als andere, betont Studienautorin Kelly Ramirez. Und sie erklärt: "Kaktusse stehen für Wüste, Palmen für Tropen, Gras wächst überall. Wir wollen die Bodenbeschaffenheit aber nicht über die Pflanzenvielfalt analysieren, sondern die Bakterienarten untersuchen. Denn sie ermöglichen Artenvielfalt, indem sie Pflanzen beim Wachsen helfen und Ökosysteme aufrechterhalten."