Berlin. Warum nicht einmal jemanden beschenken, der gar nicht damit rechnet? Nur, weil er sich freut - und nicht, weil man sich gedrängt fühlt oder auf eine Gegenleistung spekuliert? Auf diese Art von weihnachtlichen Ideen können auch nur Menschen kommen. Bestenfalls. Da waren Biologen lange Zeit ziemlich sicher.

Zwar gibt es Tiere, die ihren Artgenossen Leckerbissen und Gefälligkeiten zukommen lassen. Nur ist das meist ein Tauschgeschäft: Futter gegen Sex, Wellness-Behandlungen gegen Unterstützung in Konflikten. Für selbstlose Gesten schien lange im Tierreich kein Platz zu sein. Dachte man. Nun aber haben Verhaltensforscher zumindest bei einigen Arten einen Hang zur Großzügigkeit entdeckt. Es sind allerdings nicht unsere nächsten Verwandten, die sich hierbei hervortun.

Dabei ist so einem Schimpansen eigentlich alles Mögliche zuzutrauen: gegenseitige Hilfeleistungen, ausgefeilte Kooperationen, Adoption fremder Jungtiere. Doch geht es ums Fressen, scheinen sie oft auf stur zu schalten. Selbst Jungtiere müssen um Leckerbissen von der Mutter betteln. Und spontane Großzügigkeit gegenüber erwachsenen Artgenossen scheint unter Schimpansen erst recht nicht üblich zu sein.

Nicht nur sture Ignoranten

Claudio Tennie von der Universität Birmingham hat 13 Schimpansen mit einer Futterbox konfrontiert. Auf der anderen Seite konnten die Tiere - mit unterschiedlichen Folgen - an einem Holzpflock ziehen: In sechs Fällen bewirkte das, dass ein Artgenosse im Nachbarkäfig Erdnüsse aus der Box herausschütteln konnte. Auf der anderen Seite konnten die sieben übrigen Affen ihrem Nachbarn das Futter sperren. In beiden Fällen betätigten die Tiere den Mechanismus etwa gleich häufig. Sie hatten offenbar kein Interesse daran, ob sie ihrem Nachbarn damit etwas Gutes oder Schlechtes taten.

Anders sah es aus, wenn sie selbst Zugang zu den Leckerbissen bekamen. Nun zogen sie den Pflock zielstrebig heraus, wenn Futter heraussprang. Blockierte er dagegen den Nachschub, ließen sie die Finger davon. Zumindest beim Fressen scheint sich jeder Schimpanse selbst der Nächste zu sein.

Doch die Primatenwelt besteht nicht nur aus sturen Ignoranten. In der Familie der südamerikanischen Krallenaffen haben Forscher auch selbstlose Futterschenker entdeckt. Etwa die Weißbüschelaffen, die ein Team um Judith Burkart von der Uni Zürich beobachtet hat. In den Versuchen standen vor dem Käfig zwei Tabletts. Das getestete Tier konnte entscheiden, welches es zum Gitter ziehen wollte. Es selbst ging dabei jedes Mal leer aus. Doch in einem Fall bekam der Käfignachbar einen Leckerbissen, im anderen nicht. Meist ließen die Affen ihrem Artgenossen das Geschenk bereitwillig zukommen. "Prosoziales Verhalten" heißt diese seltene Form der spontanen Hilfe, von der man selbst nichts hat und zu der man auch nicht gedrängt wird. Sonderlich viel Grips braucht man dafür offenbar nicht. "Krallenaffen haben kleine Hirne und sind nicht sehr gescheit", sagt Burkart. Trotzdem sind sie beim selbstlosen Schenken den intelligenteren Schimpansen überlegen.