Was also steckt hinter dieser großzügigen Ader? Warum ist sie in der Evolution der Primaten mehrmals unabhängig voneinander entstanden? Darüber rätseln und streiten Biologen schon lange. Eine der beliebtesten Theorien besagt, der Hang zur Großzügigkeit habe etwas damit zu tun, wie man seinen Nachwuchs großziehe. Dafür gibt es einige Indizien.

Genau wie bei Menschen ist Kinderbetreuung bei Krallenaffen nicht nur Sache der Mutter. Kleine Weißbüschelaffen wachsen in Gruppen mit erwachsenen Helfern auf. Diese pflanzen sich selbst nicht fort, sind aber eifrige Babysitter: Sie tragen die Kleinen und stecken ihnen Leckerbissen zu. Die Männchen engagieren sich dabei noch mehr als die Weibchen - und zeigen sich in Versuchen auch besonders spendabel. Wer den Nachwuchs im Team aufzieht, ist auf seine Gefährten angewiesen und braucht soziale Toleranz. Immer wieder muss er Hilfe leisten, ohne selbst viel davon zu haben.

Werden solche Arten von der Evolution auf generelle Großzügigkeit getrimmt, die sie dann auch gegenüber Erwachsenen zeigen? Um das herauszufinden, hat Burkart 15 Affenarten einschließlich Menschenkindern zwischen vier und sieben Jahren getestet. Sie bekamen die Gelegenheit, ihren Gefährten Köstlichkeiten zuzuschanzen, ohne selbst etwas davon zu haben. "Menschen und Löwenäffchen handelten dabei sehr altruistisch und ermöglichten den anderen fast immer den Zugang", so Burkart. Schimpansen taten das nur ab und zu, Varis und Bartmakaken gar nicht. Tatsächlich zeigte sich ein enger Zusammenhang zwischen Großzügigkeit und Familienleben: "Spontanes selbstloses Verhalten findet man nur bei Arten, bei denen Jungtiere nicht nur von der Mutter, sondern auch von anderen Gruppenmitgliedern betreut werden", so die Forscherin. Kritiker wendeten aber ein, dass die Studie nur die Großzügigkeit von Primaten getestet habe.

Aufzucht ist entscheidend

Wenn die gemeinschaftliche Betreuung der Jungen entscheidend ist, müsste sich selbstloses Verhalten auch bei anderen Tieren finden - bei Vögeln etwa, wo jede elfte bekannte Art die Aufzucht der Küken nicht allein der Mutter überlässt. Haben auch sie einen Hang zur spontanen Großzügigkeit? Tatsächlich ist ein Team um Lisa Horn und Jörg Massen von der Uni Wien auf einen Fall in der Vogelwelt gestoßen. Ausgerechnet bei Elstern, die angeblich eher zum Diebstahl als zum Altruismus neigen. Doch die ostasiatischen Blau-Elstern hielten sich in Tests nicht an das Klischee. Auch sie ziehen ihre Küken gemeinschaftlich auf. Und sie zeigten sich in den Experimenten interessiert am leiblichen Wohl ihrer Gefährten.

Ähnlich wie die Affen bekamen die Vögel die Gelegenheit, ihren Gefährten Leckerbissen, wie Mehlwürmer oder Heuschrecken, zuzustecken. Dazu mussten sie auf einer Sitzstange landen, die einen Wipp-Mechanismus auslöste. Und das taten sie unermüdlich - obwohl ihr eigener Schnabel immer leer blieb. In mehr als 95 Prozent aller Durchgänge bekamen die Artgenossen ihren Happen.

Für die Forscher ist das ein Indiz dafür, dass gemeinsame Jungenaufzucht nicht nur bei Menschen und Affen die Großzügigkeit fördert. Die Idee vom spontanen Schenken ist im Tierreich wohl verbreiteter als gedacht. Weihnachtliche Anlässe sind dafür gar nicht nötig.