London/Wien. Die kürzest mögliche Reiseroute zwischen mehreren Destinationen zu finden, stellt nicht nur den Menschen vor eine Herausforderung. GPS und Routenplaner können hier hilfreich sein, um das Problem des Handlungsreisenden, wie es in der Fachsprache genannt wird, zu meistern. Tieren hingegen bleibt diese Möglichkeit verwehrt - sie müssen sich ihre Wege selbst finden. So auch die Hummeln, die auf ihrem Weg von Blüte zu Blüte, um Energie zu sparen, gleichzeitig auf der Suche nach der besten Route sind. Während ihres Sammelflugs entwickeln sie diesen kontinuierlich weiter. Sie beachten nicht nur die Reihenfolge der nahrhaftesten Blüten, sondern optimieren auch ihre Flugschneise, wie Forscher der Queen Mary University in London im Fachblatt "Scientific Reports" berichten.

Die Herausforderung bestehe darin, eine Route zu finden, die den Besuch jeder Futterstation erlaubt, aber dennoch die Distanz im Auge zu behalten. In früheren Forschungen wurde besonderes Augenmerk darauf gelegt, welche Reihung die Hummeln vornehmen. Dabei wurde zwar beobachtet, dass die Tiere eine gute Lösung parat haben, aber nicht, wie sie zu dieser kommen.

"Tiere können nicht einfach eine Landkarte benutzen, um die besten Nahrungsquellen zu sehen oder zu planen, wie sie sie ansteuern", betont Woodgate. Zu alldem sollte auch die letzte Station der Reise nahe der heimischen Basis liegen. Die Forscher haben für ihre Studie Hummeln mit einer Art Radarsystem verfolgt. Die Testanordnung bestand aus fünf Futterstationen im Freiland. Jede davon besaß ein Angebot an Nektar, das einem Fünftel der Ladekapazität einer Hummel entspricht. Nach der fünften Station waren die Vielflieger gezwungen, ihre Ladung im Stock zu verstauen. Anhand der Flugbewegungen wurde sichtbar, dass die Tiere nach und nach ihre Routen veränderten. Erfahrene Hummeln entwickelten am Ende bestimmte Wege, die den ökonomischen Aufwand im Vergleich zur Erstroute deutlich verbesserten, berichten die Biologen.

Die Tiere versteiften sich dabei nie auf einen bestimmten Weg, sondern variierten ihre Flugstrecken und die Reihenfolge der Stationen, um letzten Endes die optimale Strecke herauszufiltern.

Trotz alledem lassen sich die Hummeln manches mal auch zu besonders verführerischen Abstechern verleiten, was sich wiederum negativ auf die Gesamtflugstrecke auswirkt, merkt Studienautor Joseph Woodgate an. Für eine "Sünde" scheinen auch die fliegenden Nektarsammler einen größeren Energieaufwand in Kauf zu nehmen.

Künstliche Intelligenz

Die Fähigkeiten der Tiere wecken allerdings nicht nur das Interesse der Biologen. "Zu verstehen, wie Hummeln mit ihren kleinen Gehirnen effiziente Lösungen für solch komplexe und flexible Herausforderungen finden, hat großes Potenzial für die Weiterentwicklung künstlicher Intelligenzen und Roboter", betont Ko-Autor James Makinson. Wichtig seien die Erkenntnisse allerdings auch für den Schutz dieser Tiere, so der Forscher. Denn durch die Intensivierung der Landwirtschaft und die Verbauung von Flächen verlieren die brummenden Routenplaner, aber auch ihre summenden Verwandten, die Bienen, nach und nach ihre Lebensräume.