Innsbruck/Wien. Der Gletscherschwund durch den Klimawandel trifft viele Tiere in Schmelzwasser-gespeisten Bächen und Flüssen. Der Großteil sind Wirbellose - ihre funktionelle Vielfalt und Zusammenstellung reagiert weltweit gleich, berichtet ein Forscherteam mit österreichischer Beteiligung im Fachblatt "Nature Ecology and Evolution". Die Veränderungen werden dadurch vorhersagbar.

Von Gletscherwasser gespeiste Bäche sind harsche Lebensräume mit wenig Nährstoffen und kalten Temperaturen. Die Wirbellosen (Invertebraten) darin müssen daran angepasst sein. Die Forscher um Studienautor Lee Brown von der britischen Universität Leeds untersuchten erstmals, wie sich ihre funktionellen Merkmale durch den Gletscherschwund verändern.

Das sind etwa bestimmte Körpergrößen, Formen wie etwa ein flacher, rundlicher oder länglicher Körper, die Zahl der produzierten Eier, und ob die Tiere außerhalb des Wassers fliegen können. Viele dieser Invertebraten sind nämlich Insekten, die ihr Larvenstadium im Gewässer verbringen und als erwachsene Tiere auf dem Land und in der Luft leben.

Eine sehr widerstandsfähige und an extreme Lebensräume angepasste Gruppe sei etwa jene der Zuckmücken, etwas weiter bachabwärts bei moderateren Bedingungen kämen die Eintagsfliegen dazu, später auch Köcherfliegenlarven. Je weiter man vom Gletscher weggehe, desto artenreicher würden die Gemeinschaften, und auch die Vielfalt ihrer Eigenschaften nehme zu. Die Entwicklung sei weltweit die gleiche. Wenn also in den Alpen auf einmal die Larvenformen mit flachem Körperbau verschwinden, wird das bald auch in Neuseeland und Amerika passieren.