Müssen nicht Kinder reale Tiere sehen können, um ein Gefühl für Natur- und Tierschutz zu entwickeln?

Nachdem ich Monat um Monat Zoos besuche, muss ich sagen, dass Tiere dort einfach nur zur Schau gestellt werden, sie werden im wahrsten Sinne des Wortes objektiviert. Was man dort lernen kann, ist, dass Tiere für den menschlichen Nutzen da sind, für unsere Unterhaltung und unseren Spaß.

Stellen Sie sich einmal eine Minute etwa ein Gehege eines Gibbons vor - und schauen Sie ihm zu, wie er sich von Seil zu Seil hangelt, wie er klettert. Das ist wirklich beeindruckend! Aber wenn Sie ihm fünf Minuten zusehen, wird es bedrückend, und 20 Minuten sind einfach nur herzzerreißend. Die routinierten Bewegungen des Gibbons sind genauso wie jene von Elefanten oder anderen Tiere im Zoo - nämlich immer genau dieselben. Sie bewegen sich völlig sinnentleert und repetitiv. Jede Bewegung wirkt, als wüssten die Muskeln genau, was zu tun ist. Das hat nichts mit Entscheidungen zu tun, es ist einfach ein fixer Ablauf, Resultat des Eingesperrtseins. Ich bin der Meinung, dass Zoos die falschen Impulse in der Erziehung geben, wenn es um Mitgefühl, Respekt und Tierschutz geht.

Sie versuchen, "unsichtbare Tiere" sichtbar zu machen. Kann man mit einer Kamera alles sichtbar machen?

Das ist eine gute Frage. Im Zoo sehen wir einen Gorilla oder eine Giraffe. Was wir aber nicht sehen, ist, wie die Tiere aus ihrem Familienzusammenhang herausgerissen und wie sie zwischen Zoos gehandelt werden, oder wie manche dieser Tiere beim Transport sterben. Alles abseits des unmittelbar Sichtbaren fehlt auch in meinen Büchern, dabei gehört das eigentlich zum Geschäftsmodell Zoo dazu.

Was wäre Ihrer Meinung nach eine sinnvolle Perspektive für Zoos?

Zoos könnten sich ja auch verändern: Wenn verstorbene Tiere nicht automatisch durch neue ersetzt werden, wenn Zoos aufhören würden, Tiere zu züchten und zu handeln, wenn sie mehr Platz zur Verfügung stellen oder Tiere auch retten würden, dann wäre das etwas völlig anderes. Das wäre dann aber kein klassischer Zoo mehr, sondern ein Gnadenhof. Gnadenhöfe sind tatsächlich für Tiere da, während Zoos für Menschen betrieben werden.

Auf Ihren Bildern sieht man auch immer wieder Menschen, die Zoos besuchen. Warum?

In unserem Projekt "WeAnimals" geht es natürlich um Tiere, aber eben auch um uns Menschen, um unsere Interaktionen mit den Tieren. Warum gehen wir in den Zoo? Weil wir uns so sehr um die Umwelt sorgen? Die Entscheidung, in Zoos zu gehen, hat oft mit anderen Fragen zu tun, wie etwa "Was machen wir am Wochenende mit den Kindern?" oder "Wo treffen wir uns für ein Date?" Es geht also sehr viel auch um uns selbst.