Potsdam. Lange Zeit war es eine Vermutung, jetzt gibt es neue Belege: In den letzten 100 Jahren hat sich das Golfstromsystem - wichtig für den Wärmetransport der Erde - deutlich verändert. Die Strömung im Atlantik sei um 15 Prozent langsamer geworden, berichtet ein internationales Wissenschafterteam im Fachblatt "Nature".

Die Forscher hatten Computersimulationen mit Messdaten der Meeresoberflächentemperatur kombiniert. Die Konsequenzen für das weltweite Klima sind noch offen. Es sei aber ein spezielles Muster entdeckt worden, erklärt Leit-Autorin Levke Caesar vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Der Ozean südlich von Grönland kühle sich ab, weil das heranströmende Wasser nicht mehr so rasch in die Tiefe sinke und deshalb weniger warmes Wasser nachströmen könne. Gleichzeitig heize sich das Gewässer entlang der nördlichen Hälfte der US-Atlantikküste auf, weil sich der Golfstrom näher an die Küste schiebe. Für die Abschwächung machen die Forscher die globale Erwärmung verantwortlich.

Das Golfstromsystem wird durch Dichteunterschiede im Meereswasser angetrieben. Warmes, leichteres Wasser fließt von Süden nach Norden. Dort wird es kälter und damit dichter und schwerer, sinkt in tiefere Schichten und fließt zurück in den Süden. Durch vermehrten Regen über dem Nordatlantik gelangt mehr Süßwasser in den Ozean. Auch das schmelzende Eis der Arktis verdünnt den Nordatlantik. Der Salzgehalt sinkt. Weniger salzhaltiges Wasser jedoch ist weniger dicht und damit weniger schwer. Es sinke damit nicht mehr so schnell von der Oberfläche in die Tiefe, erläutern die Forscher. Die gigantische Umwälzpumpe wird dadurch gebremst. Nun sollen die Auswirkungen und Folgen der Veränderungen des Golfstromsystems untersucht werden.