Wien. (gral) Seit Ende 2007 tüftelt eine Gruppe ursprünglicher "Teilzeit-Forscher" an der Idee der ersten privaten Mondmission. Ziel des heutigen deutschen Unternehmens PTScientists (Part-Time Scientists) ist eine unbemannte Mondlandung im zweiten Halbjahr 2019. Dabei sollen zwei Rover in Reichweite zur Apollo-17-Landestelle im Taurus-Littrow-Tal abgesetzt werden, die die Oberfläche des Erdtrabanten und das Lunar Roving Vehicle - ein Relikt der Mission aus dem Jahr 1972 - erforschen sollen.

"Wir machen das Gegenteil von Star Trek", erklärte Firmengründer Robert Böhme erst kürzlich. "Wir fliegen nicht dorthin, wo nie ein Mensch zuvor gewesen ist, sondern dorthin, wo länger kein Mensch mehr gewesen ist." Viel Aufschlussreiches erwarten sich die Wissenschafter vom Mond-Auto. Dessen Materialien seien besonders interessant, um den Einfluss von mehreren Jahrzehnten Weltraumbedingungen auf die dabei genutzten Materialien zu untersuchen.

Audi-Technik an Bord

Der Lander Alina (Autonomous Landing and Navigation Module) mit den zwei Rovern an Bord wird mit einer Falcon-Rakete des privaten Raumfahrtunternehmens SpaceX ins Weltall gebracht. Alina ist ein etwa 330 Kilogramm schweres Trägersystem, das mit Hilfe von sieben Kameras eigenständig landen soll. Die Besonderheit ist, dass sich das Landemodul flexibel an seine Umgebung anpassen kann und so nicht auf ein bestimmtes Launch Vehicle zugeschnitten ist.

Die Mission to the Moon wird vom Autokonzern Audi unterstützt. Der Fahrzeughersteller hat ein eigenes Team zur technischen Unterstützung abgestellt, skizzierte Projektleiter Ulrich Schwarze. Dadurch sei es gelungen, das Gewicht der Rover zu reduzieren und das Gerät robuster zu machen. Die zwei Audi Lunar Quattro wiegen je 30 Kilogramm.

Die Technik bis hin zu Energieversorgung und Antrieb muss besonders ausgefeilt sein, denn: "Am Mond gibt es für den Rover keinen Pannendienst", erklärt Böhme in einem Gespräch mit der Austria Presse Agentur. PTScientists steht allerdings auch in enger Kooperation mit der Europäischen Raumfahrtagentur ESA und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Vor allem gehe es jetzt noch darum, Treibstoffreserven einzuplanen, um nicht immer ganz an Limit zu sein.

Diese Zusammenarbeit dürfte recht gut funktionieren, hat doch die ESA dem Forscherteam mittlerweile einen rund 250 Millionen Euro schweren Großauftrag für eine eigene Mission gegeben. So soll es im Jahr 2024 zum Südpol des Mondes fliegen, um dort Wasser zu gewinnen, das an der Stelle in gefrorener Form vorhanden sein sollte. Das Vorkommen von Wasser wäre für die weitere Erforschung des Weltraums immens wichtig. Denn neben Sauerstoff für den Menschen könne daraus Wasserstoff als Raketentreibstoff gewonnen werden.

Eigenes LTE-Netz am Mond

Partner der Mission sind neben Audi auch Vodafone und das Red Bull Media House. Die Mobilfunkgesellschaft hat sich zum Ziel gesetzt, auf dem Mond ein LTE-Netz aufzubauen. Für den Lander bedeutet das eine möglichst energiesparende Kommunikation mit den Rovern. Alina wird die empfangenen Signale wiederum weiter zur Erdoberfläche senden. Damit könnte von Vodafone aber auch eine Kommunikationsinfrastruktur für künftige Mondmissionen geschaffen werden. Red Bull sorgt für die mediale Inszenierung inklusive weltweiter Live-Übertragungen.

Die Gefahr, dass der PR- und Eventcharakter die wissenschaftlich-technische Herausforderung überlagert, sieht Böhme nicht. "Wenn man es sich genau überlegt, war das Apollo-Programm eine reine PR-Aktion. Die Motivation dahinter war, diese blöde Flagge dorthin zu bringen." Die größere Herausforderung für PTScientists werde sein, "dass die Leute das nicht als zu rückwärtsgewandt ansehen, weil wir uns Apollo 17 ansehen. Wir schauen damit zwar in die Vergangenheit, machen aber einen Schritt in die Zukunft", so der Firmengründer.

Niederlassung in Österreich

Wichtige Mitentwickler bei der Mission kommen auch aus Österreich. In zwei bis drei Monaten soll nach einer Zweigstelle in den USA auch hierzulande eine Niederlassung erfolgen. "Wir wollen hier in Österreich einen festen Standpunkt haben, um auch ein paar Kooperationen und zusätzliche Leute hereinzuholen", erklärt Böhme.