Bath/Chicago/Wien. Vor rund 66 Millionen Jahren schlug ein Asteroid auf die Erde ein und löschte die Dinosaurier aus. Doch wurden nicht nur sie praktisch dem Erdboden gleichgemacht, sondern auch die Wälder. Für Baumbewohner bedeutete dies das gleiche Schicksal und so kam es im Zuge dessen auch zur Ausrottung einer Vielzahl an Vögeln - nämlich jener, die in den schützenden Kronen hausten. Nur eine Population trotzte den widrigen Umständen, wie nun ein internationales Wissenschafterteam in den Fachblättern "Cell Press" und "Current Biology" berichtet - nämlich jene Vögel, die sich auf das Leben am Boden spezialisiert hatten.

"Wie uns Fossilien von Pflanzen und Tieren zeigen, kam es vermutlich zu einem Kollaps des Blätterdachs", erklärt Regan Dunn, Paläontologe im Field Museum in Chicago. Baumvögeln wurde dies zum Verhängnis, da sie keine Äste mehr vorfanden. Die Vorfahren der heutigen baumbewohnenden Federtiere hatten sich nach einer Phase des Lebens am Boden erst nach dem Wiederaufblühen der Wälder in den Baumkronen angesiedelt.

Farne als Überlebenskünstler

Anhand von mikroskopisch kleinen fossilen Pollen und Sporen konnten die Wissenschafter die immense Zerstörung der Wälder in Folge des Asteroideneinschlags nun darlegen. Nach einem Feuer oder einem Vulkanausbruch sind es in erster Linie die Farne, die sich am schnellsten regenerieren. Das ist der Fall, weil Farne nicht aus Samen wachsen, sondern aus Sporen, die so klein wie eine einzelne Zelle sind, erklärt Dunn. Aufgrund ihrer Winzigkeit und Leichtigkeit werden sie vom Wind weitergetragen. Alles, was sie benötigen, ist ein feuchter Untergrund, um wieder gedeihen zu können.

In der Studie untersuchten die Forscher Fossilberichte aus Neuseeland, Japan, Europa und Nordamerika, woraus deutlich wurde, dass die Massenauslöschung der Wälder rund um den Globus stattgefunden hatte. Und ohne Bäume waren auch deren Bewohner dem Tode geweiht.

Vögel hingegen, die, wie aus Fossilien nachgewiesen werden konnte, diesen Zwischenfall überlebten, hatten wesentlich längere und kräftigere Beine, als es heute bei Tieren wie Kiwis oder Emus der Fall ist. Das Äquivalent zu den heutigen Rotkehlchen oder Spatzen mit ihrer zarten Gestalt hatte damals regelrecht keinen Platz mehr, um weiter zu überleben. Und dennoch ist die Vielfalt der heute lebenden Vögel immens. Nahezu 11.000 Spezies sind über unseren gesamten Erdball verteilt.

Wichtiger Rohstoffproduzent

"Nur eine kleine Zahl hat die Massenauslöschung vor 66 Millionen Jahren überlebt. Alle heute existierenden Tiere mit ihrer in den Jahren entstandenen breiten Diversität stammen von diesen wenigen frühen Überlebenden ab", betont Daniel Field vom Milner Centre for Evolution der University of Bath. Um das Leben auf der Erde verstehen zu können, sei es wesentlich, die Geschichte der Pflanzen aufzuzeigen. "Pflanzen sind alles, Pflanzen sind der Kontext, in dem sich alles terrestrische Leben entwickelt und auch überlebt", so Field. Sie seien eine der wichtigsten Rohstoffproduzenten, indem sie für alle Lebensformen Energie verfügbar machen. "Wir können das nicht", erklärt der Forscher.

"Es ist wichtig für uns, dass wir wissen, was passiert, wenn ein Ökosystem zerstört wird - etwa auch durch Abholzung oder den Klimawandel. Daraus können wir erkennen, welchen Einfluss unser Tun auf das Leben nach uns haben kann", so Dunn.